Was haben lettische Sprotten mit Russophobie zu tun? Hat Hunter Biden versucht, einen Krieg in der Ukraine anzuzetteln? Welche weiteren „Schätze“ an Desinformation finden sich in der Datenbank von EUvsDisinfo? Und was macht man gegen den Brummschädel nach zu viel Desinformation?

„Lettlands wichtigste Wirtschaftstätigkeit ist der Handel mit Russophobie“ – so heißt es in einem der Fälle von Desinformation, die wir diese Woche für Sie gesammelt haben. Die Autoren des Artikels wollten mit dieser eher abstrakten Behauptung „beweisen“, dass die russischen Gegenmaßnahmen gegen die EU-Sanktionen (die aufgrund der russischen Aggression in der Ukraine verhängt wurden und auf die Russland seinerseits mit Sanktionen gegen EU Staaten reagierte) die lettische Fischereiindustrie ruinieren. Mit anderen Worten: Ein klassischer Fall des Vergleichs von Äpfeln mit Birnen (oder in diesem Fall Sprotten) oder einer Falschbehauptung ohne jeglichen Beweis.

Interessanterweise ging es im allerersten Fall in der EUvsDisinfo Datenbank (seit dieser Woche in neuem Design!) ebenfalls um Russophobie, jedoch aus einem ganz anderen Blickwinkel: Es wurde behauptet, dass Studierende der Universität Lwiw (Lemberg, Ukraine), die russische soziale Netzwerke nutzen, nicht zu den Prüfungen zugelassen würden. In Wirklichkeit hatten Kreml-freundliche Medien den privaten Post eines Hochschullehrers unverhältnismäßig aufgebauscht. Die Meldung wurde von der Universität selbst offiziell dementiert.

Mehr als vier Jahre und 6 500 Falschmeldungen später finden wir immer wieder dieselben alten Geschichten. Das Stichwort „Russophobie“ liefert zum Beispiel 235 Einzelfälle. In unserer ebenfalls aktualisierten Online-Bibliothek finden Sie außerdem die größte Online-Sammlung öffentlich zugänglicher Studien über Kreml-freundliche Desinformation – voll von hinterhältiger Taktik, Narrativen und Manipulation von Informationen.

Erfahren Sie, wie die EUvsDisinfo Datenbank von Desinformationsfällen funktioniert.

Hat Hunter Biden versucht, einen Krieg in der Ukraine anzuzetteln?

Russische Trollfabriken produzieren laufend neue Meldungen. Doch selbst Inhalte, die als aktuell dargestellt werden, erweisen sich als Schnee von gestern. Einige Fälle von Desinformation in der aktuellen Disinfo Review handeln von Hunter Biden. Kreml-freundliche Medien scheuen sich nicht, ihn oder seinen Vater Joe Biden mit den jüngsten Gerüchten über die mutmaßliche Einmischung der USA in ukrainische Politik in Verbindung zu bringen. Aber können Sie sich vorstellen, dass Hunter Biden für Kriegstreiberei in der Ostukraine verantwortlich sein soll? Im Universum der Kreml-freundlichen Informationsfälscher ist alles möglich und erklärbar, was die Ukraine in Misskredit bringt. Im aktuellen Fall hätte Hunter Biden einen Krieg anzetteln wollen, um dem Energieunternehmen Burisma, für das er gearbeitet hat, Fracking im Donezbecken zu ermöglichen. Die EUvsDisinfo-Datenbank belegt jedoch, dass die erste Meldung über Hunter Biden bereits im Februar 2016 erschien, während der angebliche Vorschlag Joe Bidens, die Ukraine aufzuspalten, bereits im Dezember 2015 veröffentlicht wurde.

Der ganze Aufwand wurde betrieben, um die Ukraine als “Versager-Staat” hinzustellen, nicht souverän und ohnehin immer unter dem Einfluss von anderen, ob es nun die USA, die NATO oder die EU ist. Sollten Sie darauf nicht hereinfallen, haben die Kreml-freundlichen Medien eine andere Geschichte für Sie im Angebot: Die Ukraine hat sich in die Präsidentschaftswahlen in den USA eingemischt!

Schon seit Langem ist die Ukraine die beliebteste Zielscheibe für Desinformation Kreml-freundlicher Medien – die Fälle von Desinformation dieser Woche sind ein weiteres Beispiel dafür. Bei etwa einem Drittel der Fälle in unserer Datenbank geht es in der einen oder anderen Art und Weise um die Ukraine – und wir konnten alle entlarven. Eine Desinformation wird nämlich nicht dadurch richtig, dass man sie ständig wiederholt.

Mehr Veröffentlichungen finden Sie in der EUvsDisinfo-Sammlung.

Gegen den Brummschädel nach zu vielen Falschmeldungen

Die Kreml-freundliche Desinformation hat zwar vor allem alte Geschichten anzubieten, doch sucht sie immer neue Wege, diese möglichst weit zu verbreiten. Eine unserer neuesten Entdeckungen ist die Veröffentlichung „EP Today“, abgekürzt für „European Parliament Today“, die sich selbst als „Monatszeitschrift für das Europäische Parlament“ bezeichnet. Sie ist jedoch keinesfalls mit dem EP verbunden, sondern verbreitet Desinformation direkt aus Desinformations-Kanälen wie RT (Russia Today). Der Schein trügt: Nicht in allem, wo „Europäisches Parlament“ draufsteht, ist auch Europäisches Parlament drin.

Weinkennern zufolge reift der Wein mit den Jahren und wird immer besser. Doch dies gilt nicht für Falschmeldungen, ganz gleich, wie neu die Fässer oder wie elegant die Gläser sind, in denen sie serviert werden – sie verursachen bloß Kopfschmerzen. EUvsDisinfo hilft gegen solche Kopfschmerzen: Besuchen Sie unsere Online-Bibliothek, entdecken Sie unsere Datenbank oder probieren Sie zum Spaß unseren Narrative-Generator aus und finden heraus, was er ausspuckt. Es wird Ihnen gleich bessergehen.