Mehrere europäische Länder waren in den letzten zwei Wochen kremlfreundlicher Desinformation ausgesetzt.

Sputnik behauptete, dass Litauen totalitären Gesetzen folge und dass alle baltischen Staaten „Sowjetmethoden“ benutzten, um „Sputnik-Journalisten zu bekämpfen“. Es wurde nicht erwähnt, dass alle drei baltischen Staaten in der kürzlich veröffentlichten Weltrangliste der Pressefreiheit auf den oberen Plätzen rangieren. Lesen Sie hier, was Sputnik unter Journalismus versteht.

Demonstrationen gegen Korruption in der Slowakei wurden so dargestellt, als seien sie George Soros’ Versuche, eine Farbrevolution zu finanzieren. Angeblich manipuliere Soros die Lage in Europa (mehr über Desinformationen zu Soros lesen Sie hier).

EU-Mitgliedsstaaten wurde der Raub ukrainischer Erde und die Entwicklung geheimer elektromagnetischer Waffen zur Kontrolle der eigenen Bevölkerung vorgeworfen, sowie (wieder bei Sputnik) der angebliche Auftrag an Al Jazeera, einen inszenierten Chemiewaffenangriff in Syrien zu filmen.

Al Jazeera hat diese letzte Anschuldigung öffentlich abgestritten und als Rufschädigung bezeichnet. Sie passt in das wiederkehrende Muster der Falschmeldungen über den Chemiewaffeneinsatz in Syrien: Kremlfreundliche Medien bezeichneten ihn als Operation unter falscher Flagge; bestritten, dass er überhaupt stattgefunden habe und behaupteten, dass ein weiterer Chemieangriff „in Idlib von den Weißhelmen inszeniert“ werde. Mehr über die kremlfreundliche Desinformationskampagne zum Thema Syrien gibt es hier und hier.

Al Jazeera war mit den Anschuldigungen nicht einverstanden.

Kurz vor der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen gab es weitere Attacken auf Emmanuel Macron. Eine tschechische Webseite behauptete einerseits, dass der Jüdische Kongress es nicht erlauben würde, Macron gewinnen zu lassen, weshalb weitere Terroranschläge zu erwarten seien; andererseits behauptete sie einige Tage später, dass der „Rothschild-dominierte Mainstream entschieden habe, dass Macron gewinnen muss“. Auf derselben Seite stand, dass Macron Marine Le Pen „eine Staatsfeindin“ genannt habe —obwohl er sich dabei in Wirklichkeit auf einen anderen Kandidaten bezogen hatte, nämlich auf Benoît Hamon. Eine weitere Nachrichtenseite behauptete, dass das Land nicht als liberale Demokratie gelten könne und dass der nächste Präsident im Vorhinein vom französischen „Establishment“ gewählt worden sei.

Dinge richtigstellen

Vor zwei Wochen wurden die Worte von NATO-Generalsekretär Stoltenberg im russischen Staatsfernsehen verdreht. Letzte Woche standen die NATO und ihre Verbündeten wieder im Fokus kremlfreundlicher Desinformation, wie es vor einigen Monaten zu beobachten war. Tatsächlich sind diese Anschuldigungen so häufig, dass die NATO einen eigenen Teil ihrer Webseite unterhält, um falsche Behauptungen über NATO-Russland Beziehungen richtig zu stellen.

Eine weitere Webseite behauptete, dass die NATO bei der internationalen Militärübung Summer Shield XIV (17. bis 30. April) in Wirklichkeit ihre europäischen Kräfte auf einen Angriff auf Russland vorbereite. Ein anderes kremlfreundliches Medium berichtete, dass NATO-Kommandeure während der Übung russischsprachige Personen neuen physischen, biologischen und anderen Methoden unterwarfen, um wahrscheinlich neue Techniken der hybriden Kriegsführung zu testen und so Psyche und Verhalten zu beeinflussen. Der Fernsehkanal des russischen Verteidigungsministerium „Swesda“ berichtete, dass die NATO-Übung in den baltischen Staaten Säuberungen der Polizei und Strafaktionen beinhalte und darauf abziele, Aufstände und Unruhen zu unterdrücken.

Das lettische Verteidigungsministerium wies im Gegenzug darauf hin, dass dies falsche Informationen seien und es das Ziel solcher Desinformationen sei, das öffentliche Vertrauen in die NATO und ihrer verbündeten Truppen zu untergraben, wie wir bereits erwähnt haben.

Das lettische Verteidigungsministerium warnte auch die Öffentlichkeit vor anderen Falschmeldungen bezüglich der alliierten Kräfte. Einer bezog sich auf US-Soldaten, die in Lettland mit Senfgas vergiftet worden seien. Die Quelle dafür war eine litauische Nachrichtenseite, die gehackt worden war. Ein weiterer Bericht bediente sich einer wiederkehrenden Erfolgsgeschichte kremlfreundlicher Desinformation: die Erfindung sexueller Übergriffe. In diesem Fall ging es um einen Übergriff betrunkener US-Soldaten in Polen, der weder Opfer noch Täter hatte, wie es scheint.

Währenddessen berichteten kremlfreundlichen Medien weiter negativ über die USA: Das Land wurde beschuldigt, hinter Gräueltaten zu stecken wie den Terroranschlägen vom 11. September, der Erschaffung der Terrormiliz Islamischer Staat und der Einfädelung des Todes pro-russischer Demonstranten in Odessa 2014.

Die komplette Tabelle der neuesten Berichte mit Falschmeldungen lesen (auf Englisch):