Den Eisbären geht es gut!

Dieser Herbst war ungewöhnlich „grün“. Im Anschluss an den Klimagipfel in New York vom September versammelten sich in dieser Woche Vertreter von mehr als 200 Ländern in Madrid zur Eröffnung der UN-Klimakonferenz, COP25. Inmitten einer wachsenden Krisenstimmung aufgrund des Klimanotstands verpflichteten sich die anwesenden Länder am Montag auf den Beginn einer „grünen Revolution“ zur Bekämpfung der Erderwärmung. In der vergangenen Woche rief das Europäische Parlament ebenfalls einen Klimanotstand aus, während einige Medien aktiv begannen, diesen Begriff in ihrer Berichterstattung zu verwenden.

Es steht in der Tat viel auf dem Spiel. Der Klimawandel ist eine wissenschaftliche Tatsache und es gibt bereits umfassende Beweise über seine verheerenden Auswirkungen. Wenn man jedoch den kremlfreundlichen Medien Glauben schenken darf, sieht die Sache komplett anders aus. In den letzten Monaten berichtete EUvsDisinfo über den steigenden Trend zu Desinformation über den Klimawandel in kremlfreundlichen Medien; diese berufen sich oft auf wilde Verschwörungstheorien, wonach die Erderwärmung eine russophobe Lüge ist, oder greifen Klimaaktivisten an – insbesondere Greta Thunberg – um die Vorstellung echter Bürgerproteste zu untergraben (eine der schlimmsten Befürchtungen des Kremls).

Vor dem Hintergrund der COP25 gab es in dieser Woche – wie zu erwarten – eine Flut an Desinformationen, die in die gleiche Kerbe schlugen. Angeblich habe der Westen die Klimalüge erfunden, um die wirtschaftliche Entwicklung Russlands zu bremsen, und nutze Umweltprobleme als Druckmittel gegen seine Konkurrenten. Es gab ebenfalls die üblichen sexistischen Angriffe gegen Greta Thunberg (sowie die US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, die sich für einen Green New Deal in den Vereinigten Staaten einsetzt). Studentischen Aktivisten in der Tschechischen Republik wurde vorgeworfen, den Fortschritt und das Vermächtnis ihrer Vorfahren im Namen einer „grünen Religion“ zu zerstören: Ökologismus statt Ökologie!

Interessanterweise stimmen diese Narrative nicht mit der eigenen Politik Russlands diesbezüglich überein. Im September trat Russland dem Pariser Übereinkommen offiziell bei, obwohl das Land keinen Plan vorlegte, um Emissionen zu verringern, und obwohl seine Klimazusage nach wie vor dürftig bleibt. Gegenüber dem nationalen Publikum berichten russische Staatsmedien tatsächlich über Fakten anstatt über Verschwörungstheorien (ja, wirklich!). Die Regierung erkennt offiziell die Bedrohung für eine „stabile soziale und wirtschaftliche Entwicklung“ durch den Klimawandel an. Daher spricht es Bände, dass die kremlfreundlichen Medien in ihrer Desinformationskampagne gegen den Westen mit einer solchen Vehemenz eine Leugnung des Klimawandels propagieren. Hierdurch wird versucht, die öffentliche Unterstützung für den Klimaschutz zu schwächen und Spannungen in Bezug auf ein hoch emotionales Thema zu schüren. Die Sabotage des Westens – mit allen Mitteln und um jeden Preis – ist weiterhin der gemeinsame Nenner der Desinformationsanstrengungen des Kremls.

 

 

Die Rache der Engländer und sonstige „Russophobie“

Aber die „Klimalüge“ sei nicht der einzige Beweis grassierender Russophobie im Westen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), die letzte Woche eine 4-jährige Olympiasperre gegen Russland ankündigte, betreibe anscheinend auch eine schamlose antirussische Hexenjagd.

Tatsächlich folgte WADAs Empfehlung auf die Feststellung, dass Russland im Rahmen eines Deals zur Aufhebung der Sperre der russischen Anti-Doping-Agentur, die in ein umfangreiches staatlich unterstütztes Dopingprogramm verwickelt war, manipulierte Labordaten zu seinen Athleten vorgelegt hatte. Aber die kremlfreundlichen Medien zogen ihre übliche Nummer ab, um diese Realität zu diskreditieren und zu verschleiern, während Russland als das hilflose Opfer westlicher Vorurteile dargestellt wird. „Diese Geschichte beweist, dass Russland vom Westen allein deshalb bestraft wird, weil letzterer es kann, und nicht wegen Russlands mutmaßlichen Fehlverhaltens“, klagt das Nachrichtenportal Sputnik.

Natürlich wäre es keine umfassende Desinformationskampagne ohne zahlreiche widersprüchliche Erklärungen darüber, „was sich wirklich zugetragen hat“:

  1. Es gäbe keine Beweise für die Vorwürfe der WADA gegen Russland.
  2. Russland sei eine starke Sportnation und andere fürchteten sich vor ihren Athleten.
  3. Die Strafen für dasselbe Verbrechen unterschieden sich je nach Land – der russische Dopingskandal erhalte einfach mehr Aufmerksamkeit. Die Norweger und Amerikaner seien mit ihren Skandalen davongekommen!
  4. Die Engländer nähmen Rache für Russlands erfolgreiche Bewerbung um die Ausrichtung der FIFA-Weltmeisterschaft 2018.

Das Arsenal an Desinformationen des Kremls ähnelt sehr der berühmten Pralinenschachtel von Forrest Gump… man weiß nie, was man kriegt!