Vorsätzliche Vertuschung von Doping. Der geheime Plan des Westens zur Zerschlagung Russlands. Und schlussendlich: Der vom Westen veranlasste Ausschluss Russlands vom Eurovision Song Contest zur Demütigung Russlands.

Beschuldigungen der Geheimhaltung und der Beschönigung sind eine der Kerntechniken der kremlfreundlichen Desinformationskampagne. Die Möglichkeit zur Beeinflussung der öffentlichen Debatte und zur Kanalisierung der Kritik auf das Gegenüber macht sie zu einer geeigneten Methode—ohne jedoch die Verantwortung für das Aufzeigen von Beweisen zu tragen.

Diese Woche sah man die Bündelung dieser beiden Werkzeuge der Desinformation: Hacking sowie Anschuldigungen, nach denen westliche Behörden Probleme verheimlichen würden. Hacker von Fancy Bears veröffentlichten Dokumente des Schwedischen Sportbundes (RF) und behaupteten, schwedische Sportfunktionäre hätten positive Dopingtests unterschlagen.

Die Geschichte wurde schnell von den staatlich-finanzierten russischen Medien Sputnik und Russia Today sowie von dutzenden russischsprachigen Webseiten aufgenommen.

Der Schwedische Sportbund gab bekannt, dass in Wirklichkeit nichts auf eine Verwicklung der Sportler in Dopingfälle hindeute, meldete den Hack der Polizei und rief die Medien und die Öffentlichkeit dazu auf, nicht bei der Verbreitung sensibler persönlicher Daten der Sportler behilflich zu sein.

Die Aktivitäten von Fancy Bears passen in die langjährige russische Kampagne zur Diskreditierung internationaler Anti-Doping-Organisationen, nachdem systematische Manipulationen von Anti-Doping-Regeln in Russland während den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi enthüllt wurden.

Als die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA gehackt wurde, beinhalteten die Dokumente bei jenem Vorfall auch gefälschte Daten. Westliche Regierungen sowie Sicherheitsexperten verbinden Fancy Bears, auch unter dem Namen APT28 bekannt, wegen des Angriffs auf das Democratic National Committee im Vorfeld der US-Wahlen 2016 mit einem russischen Geheimdienst.

Niederländisch geführte Ermittlungen zu MH17 wieder Ziel der Desinformationen

Als „Kritik“ und „alternative Sichtweisen“ getarnt, wurden während der letzten Woche bekannte Taktiken wiederholt in verschiedenen anderen Desinformationsnachrichten genutzt. Wieder einmal wurden dabei die von den Niederlanden geführten internationalen Ermittlungen zu der Tragödie vom Flug MH17 ins Visier genommen und verkündet, deren Schlussfolgerungen seien „gegen die Gesetze der Physik“. Außerdem wurde eine noch verdrehtere Version des Abschusses des Passagierflugzeuges im Juli 2014 vorgestellt: Es müsse eine Explosion innerhalb der Maschine verantwortlich gewesen sein. Tatsächlich besteht internationale Einigkeit darin, dass es eine von Russland aus transportierte BUK-Rakete gewesen war, die die 298 Zivilisten an Bord getötet hatte.

In anderen Berichten lernte man, dass Finnland heimlich der NATO beigetreten sei (weder die Führung der NATO noch Finnlands scheinen von dieser Entwicklung Kenntnis zu besitzen).

Und die kanadische Außenministerin wurde wieder einmal fälschlicherweise beschuldigt, über die Nazi-Vergangenheit ihres Großvaters zu lügen.

Die Hauptkampagne der Desinformationen rund um die Attacke in Salisbury dauerte ebenfalls an. Diese Mal wurde die britische Regierung nicht nur der Vertuschung der Wahrheit beschuldigt, sondern auch des „Kidnappings“ des vergifteten russischen Ex-Spions Skripal und seiner Tochter Julia. Tatsächlich hatte Julia Skripal gesagt, sie habe nicht gewünscht, das Hilfsangebot der russischen Botschaft in London anzunehmen. Gemäß dem Vereinigten Königreich sei die Vergiftung entweder eine direkte Tat des russischen Staates gegenüber Großbritannien gewesen oder die russische Regierung habe die Kontrolle über ihr Nervengift verloren und damit erlaubt, dass es in die Hände Dritter gelangt sei.

Übersetzungen aus dem Englischen: Astrid Schwaderer