Obwohl die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) den Einsatz von Sarin in der Gegend von Chan Scheichun im südlichen Teil der syrischen Provinz Idlib durch unumstößliche Laborergebnisse belegt hat, stifteten kremlfreundliche Medien, genau wie letzte Woche, weiterhin Verwirrung um dieses Thema.

Diese Woche behauptete die offizielle Zeitung des russischen Parlaments, dass Russland der UN zum angeblichen Einsatz von Chemiewaffen in Aleppo vor langer Zeit Proben und weiteres Material übergeben habe, dieses aber ignoriert worden sei. Die OPCW stellte in einer Mitteilung klar, dass sie solche Belege von den russischen Behörden nie erhalten hätte, obwohl sie einen derartigen Betrag zur Wahrheitsfindung begrüßen würde. Das erinnert an eine ähnliche Situation nach dem Absturzes von Flug MH17, als Russland ebenfalls behauptete, bereitgestellte Belege seien „übersehen“ worden. Die Ermittler konnten jedoch nur feststellen, dass sie dieses Material nie erhalten hatten.

Obwohl offensichtlich Chemiewaffen benutzt wurden, blieben kremlfreundliche Medien dabei, dass es nicht syrische Kräfte waren, da sich in deren Besitz keine Chemiewaffen mehr befänden. Allerdings hatte die OPCW dem syrischen Regime schon im August 2016 die Verwendung von Chemiewaffen nachgewiesen – nach dem Zeitpunkt, zu dem syrische Behörden zugesagt hatten, keine Chemiewaffen mehr zu nutzen und alles vermeintliche Material der Vernichtung zu übergeben.

In einem klassischen Fall von Ablenkung—und der Verknüpfung der Konflikte in Syrien und in der Ukraine—machten kremlfreundliche Medien, die Ukraine für die Existenz von Chemiewaffen in Syrien verantwortlich – ohne Belege. Währenddessen behauptete das russische Staatsfernsehen, dass Russland sich nicht an dem militärischen Konflikt im Donbass beteilige —obwohl es dort erdrückende Beweise russischer Militärpräsenz  gibt (zum Beispiel hier, hier und hier).

Die Wurzel alles Bösen

Wie wir schon früher erklärt haben, neigen kremlfreundliche Medien dazu, die Welt in zwei Kategorien einzuteilen: der böse Westen und das gute Russland. Diese Woche war es wieder so. Folglich wurden die USA der Erschaffung des Krieges in der Ukraine, des Islamischen Staats und eines Konflikts mit Nordkorea beschuldigt – dies mit der angeblichen Absicht, Russland und China „einzunehmen“.

Der angebliche „Plan der USA“, Russland und China einzunehmen, wie er im russischen Staatsfernsehen gezeigt wurde.

Der angebliche „Plan der USA“, Russland und China einzunehmen, wie er im russischen Staatsfernsehen gezeigt wurde.

Weiterhin wurden die USA, Polen, Frankreich und Deutschland alle zusammen beschuldigt, einen Völkermord in der Ukraine zu unterstützen. Dafür gibt es keine Belege, obwohl einige Desinformationsmedien sogar berichteten, US-Präsident Trump hätte gesagt, es gäbe Beweise. Das russische Staatsfernsehen beschuldigte ebenfalls Frankreich und Deutschland in einer Fernsehsendung mit dem Titel „Ukraine- Atommacht?“, der Ukraine beim Aufbau eines geheimen Atomprogramms zu helfen.

Andere Meinungen diskreditieren

Die vor kurzem getroffene Entscheidung gegen Russland am Europäischen Gerichtshof für Menschrechte wurde vom russischen Justizministerium in der Nachrichtenagentur TASS als „absolut unbegründet“ beschrieben, Wahlbetrug in den EU-Staaten wurde als übliche Praxis bezeichnet. Ein Interview mit NATO-Generalsekretär Stoltenberg wurde manipuliert und ihm wurden die Worte in den Mund gelegt, die NATO bereite einen Krieg mit Russland vor. Tatsächlich sagte er gerade das Gegenteil, nämlich, dass die NATO nicht die Konfrontation mit Russland suche.

„Die NATO will keine Konfrontation mit Russland.“ bedeutet im russischen Staatsfernsehen: „Die NATO bereitet einen Krieg mit Russland vor.“

„Die NATO will keine Konfrontation mit Russland.“ bedeutet im russischen Staatsfernsehen: „Die NATO bereitet einen Krieg mit Russland vor.“

Die komplette Tabelle der neuesten Berichte mit Falschmeldungen lesen (auf Englisch):