Heute veröffentlicht der UN-OPCW Joint Investigative Mechanism (Gemeinsamer Ermittlungsmechanismus, JIM) einen Bericht über die Verantwortung für den Chemiewaffenangriff am 4. April auf die Stadt Chan Schaichun in Syrien. Wie zu erwarten war, konnte man diese Woche beobachten, wie sich die kremlfreundliche Desinformationsmaschine auf die Veröffentlichung vorbereitete: sie suchte, Misstrauen in die Ermittlungen zu säen und die Öffentlichkeit über diese Tragödie zu verwirren.

Die neueste Strategie bestand in der Unterstellung, die USA hätten zugegeben, dass der Chemiewaffenangriff womöglich von Terroristen verursacht worden wäre, und dass der US-Raketenangriff auf den Flughafen von Scha’irat eine Geldverschwendung gewesen sei. Die USA haben nie so etwas erklärt.

Als der Angriff im April passierte, bediente sich die kremlfreundliche Desinformation der Verbreitung widersprüchlicher Berichte: Der Angriff habe fünf Stunden später stattgefunden als er tatsächlich eingetreten sei; die syrische Armee habe ein Chemiewaffenlager der Terroristen getroffen; der Angriff sei eine Operation unter falscher Flagge gewesen; der Angriff sei eine Provokation des IS (Islamischen Staats) gewesen; die Bilder der Opfer seien gefälscht gewesen oder der Angriff sei von der CIA und dem Pentagon organisiert worden. Dies ist eine altbekannte Strategie. Für die Widerlegungen gibt es bei uns einen detaillierten Bericht zu diesem Thema. Sehen Sie, wie die gleichen Desinformationstechniken für den Abschuss von MH17 sowie für den Angriff auf den humanitären Konvoi in Aleppo genutzt wurden.

Eine weitere beliebte Desinformationsstrategie ist die Diskreditierung anderer Akteure in Syrien. Die Methode besteht aus der wiederholten und stetigen Anschuldigung, die USA hätten den IS erschaffen und würden diesen in Syrien unterstützen. Diese falsche Behauptung wurde diese Woche wieder einmal auf dem russischen ersten Kanal (Pevry Kanal) geäußert.

Die ausgezeichneten Lebensstandards im russischen Zarenreich

Geschichtsrevisionismus ist ein weiterer Dauerliebling der kremlfreundlichen Desinformationskampagne. Und er wurde auch diese Woche aktiv genutzt. Also vergessen Sie das Zeitalter der Aufklärung oder die industrielle Revolution: Man vernahm stattdessen, dass es die UdSSR gewesen sei, die den Westen zur Bildung einer Mittelschicht, zur Überwindung der Rassentrennung und zur Entwicklung von Bildung und Menschenrechten gezwungen hatte.

Das Leben im zaristischen Russland war anscheinend angenehmer als in den europäischen Staaten und die Lebensstandards waren höher. Demnach hätte es keinen Grund für die Februarrevolution gegeben, welche von „außen angeregt“ worden war. Die jüngste Desinformation wanderte von einem Artikel, der 2013 von einer nationalistischen russischen Zeitung veröffentlicht worden war, zu einer georgischen Zeitung. Nur die Ukraine, so denken die, die Desinformation verbreiten; ist heute genauso verwüstet wie sie im 17. Jahrhundert gewesen sein sollte.

Die slowakische Nachrichtenseite Hlavné správy benutzte ein Bild mit einem gepanzerten Tigr-Fahrzeug, das von Sputnik veröffentlicht wurden, um seinen Desinformationsartikel zu illustrieren.

Das moderne Russland wurde auch als überlegender militärischer Handelspartner für NATO-Staaten dargestellt. Doch die Behauptung, die Slowakei plane das bewaffnete russische Fahrzeug Tigr regelmäßig zu kaufen, wurde schnell vom slowakischen Innenministerium und dem slowakischen Verteidigungsministerium dementiert.

Die schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit werde, benutzt

Eine dritte, bequeme Methode der kremlfreundlichen Desinformation geht so: Man nehme einige der schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, setze diese in einen modernen Kontext und beschuldige den Kontrahenten eben dieser Verbrechen. Aus der Sicht einer Desinformationsquelle ist einer der Vorteile dieser Technik, dass sie die Wahrnehmung des Gegners als Feind normalisiert.

Diese Woche hörte man, dass der Westen eine „Endlösung“ für die Zerstörung Russlands vorbereite, deshalb werde Russland zu einem „Symbol des absoluten Bösen“ gewandelt und dass der Westen Russland „entmenschlicht“, genauso wie die Nazis die Juden entmenschlicht hätten. Um sich gegen diese besonders anstößige Art der Desinformation zu wappnen, werfen Sie einen Blick auf die Geschichte der erfolgten Anstrengungen zur Vertiefung der Kooperation zwischen der EU, der NATO und Russland.

Man lernte auch, dass sich ein Massaker ähnlich dem in Srebrenica in der Ukraine wiederholen könnte, falls die Grenze zwischen den von Separatisten kontrollierten Regionen in der Ostukraine und Russland geschlossen werde. Der Internationale Strafgerichtshof für das frühere Jugoslawien hat die Morde in Srebrenica als Völkermord bewertet.

Es gib absolut keinen Hinweis auf einen drohenden Völkermord in der Ukraine. Aber unseren Beobachtungen zufolge hat die Desinformationen behauptet, es gebe eine solche Bedrohung—in Dutzenden von Fällen in den letzten zwei Jahren.

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