Stellen Sie sich jemanden vor, der ununterbrochen in Ihr Ohr flüstern würde: „Was kümmert Sie das, Sie werden die Wahrheit nie herausfinden.“

Manchmal würde die Stimme zu einem unerträglichen Geschrei ausarten. Eines der grundlegenden Techniken kremlfreundlicher Desinformation ist es, den Informationsraum mit ständigem Lärm zu füllen, um das Publikum zu verwirren. Oder es wenigstens dazu zu bringen, geistig abzuschalten.

Das jüngeste Ziel dieser Methode war das in Finnland ansässige European Centre of Excellence for Countering Hybrid Threats (Europäisches Exzellenzzentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen, kurz Hybrid CoE). Diese Woche wurden die Versuche, die öffentliche Diskussion rund um das Zentrum zu vernebeln sowohl zahlreicher als auch absurder.

Das finnische MV-lehti veröffentlichte einen Artikel, der behauptet, dass das „NATO Hybrid Centre eine Lizenz zum Töten hat“

Das finnische MV-lehti veröffentlichte einen Artikel, der behauptet, dass das „NATO Hybrid Centre eine Lizenz zum Töten hat“. Tatsächlich ist das Hybrid CoE kein Zentrum der NATO, jedoch ein Instrument der teilnehmenden Staaten: Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Spanien, Schweden, das Vereinigte Königreich und die USA. Aber was noch wichtiger ist: Das Zentrum hat natürlich keine Lizenz zum Töten, so wie niemand in Finnland.

Doch die organisierte Desinformationskampagne ist mit einem Artikel noch nicht vorbei. Es wurde auch eine Organisation mit gleichem Namen aufgebaut, die die NATO und die EU als Bedrohung für die Demokratie in Europa bezeichneten. Und um die Öffentlichkeit zu verwirren, wurde eine Internetseite ins Netz gestellt— http://hybridcoe.ru/ — (man beachte den russischen Domainnamen)—welche das Design des eigentlichen Zentrums kopiert.

Gefälschte Twitterkonten mit einem Logo, das dem des Hybrid CoE ähnelt, befinden sich seit September 2016 im Umlauf und einige von ihnen wurden diesen September wieder aktiviert. Dieses Konto brachte in Umlauf, dass finnische Bürger mit dem Hybrid Zentrum unzufrieden seien—und bezog sich dabei auf Kommentare auf anderen Desinformationsseiten.

Nur damit Sie es wissen, das ist die echte Webseite und der echte Twitteraccount des Hybrid CoE.

Dem Opfer die Schuld geben

Eines der Ziele der kremlfreundlichen Desinformationskampagne ist die Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu verdrehen. Diese Woche beschuldigte die russische Nachrichtensendung Westi Nedeli Polen, den Zweiten Weltkrieg begonnen zu haben.

Wir überlassen die Richtigstellung der Dinge vertrauenswürdigeren Quellen als Westi Nedeli. Doch das russische Publikum ist ständig dieser parallelen Realität ausgesetzt. Die Ergebnisse dieser Desinformationskampagne sind zum Beispiel in einer Umfrage des Levada Zentrums zu eindeutig sehen: 40% der Russen glaubt, die geheimen Zusatzprotokollen des Hitler-Stalin-Paktes würden existieren, 17% glauben nicht daran und 44% wissen nichts darüber oder sind sich unsicher, ob die Protokolle existieren.

Diese Woche waren im Desinformationscocktail ebenfalls einige „alte Schlager“ zu finden: Man las, dass Europas übermäßige Toleranz gegenüber anderen Religionen zur Bestrafung „wahrer“ Europäer und zur Diskriminierung orthodoxer Werte führen würde.

So berichteten einige Desinformationsmedien über einen Mann, der für das Essen von Speck vor Muslimen in Schweden bestraft worden sei. Und über eine georgische Judoka, die während der Weltmeisterschaft eine Niederlage erlitten habe, weil sie ein Kreuz um den Hals getragen habe. Lesen Sie unsere Tabelle (unten), wenn Sie die Wahrheit hinter diesen unterhaltsamen Geschichten erfahren wollen.

Die bekannte Geschichte von einer EU, welche Farbrevolutionen inszeniere, wurde auch wieder neu belebt. In einem moldawischen Desinformationsmedium wurde Lesern beigebracht, dass Brüssel das Land mit einem Maidan bestrafen würde, falls es sich weigere, der EU beizutreten. Wir müssen leider enttäuschen, aber es übersteigt die Fähigkeiten der EU, eine landesweite Revolution anzustiften.

Die komplette Tabelle der neuesten Berichte mit Falschmeldungen lesen (auf Englisch)