Russische Informationsmanipulation in Subsahara-Afrika

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In einer Zeit, in welcher der technologische Fortschritt und die Verbreitung des Internets in Subsahara-Afrika zunehmen, hat Russland die Gelegenheit ergriffen, die afrikanische Informationslandschaft mit trügerischen Narrativen zu überfluten. Diese Narrative reichen von Gesundheit bis Sicherheit und werden von zahlreichen Online-Manipulationshebeln verbreitet, die Teil einer größeren Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland sind, mit der Russland seine Außenpolitik voranzubringen versucht.

In den vergangenen fünf Jahren hat Russland ein Desinformationsökosystem kultiviert, in dem erfundene und ungeprüfte Informationen häufig Tatsachenberichte und unabhängigen Journalismus in etlichen afrikanischen Ländern überlagern. Diese heimtückischen Aktivitäten dienen nicht nur der Informationsmanipulation gegen den Westen, sondern untergraben auch das Vertrauen in demokratische Institutionen und führt bei der lokalen Bevölkerung zu erheblichen Sicherheitsbedenken.

Obwohl Russland und seine Industrie der Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland behauptet, dass der Kreml in der einzigartigen Lage sei, Staaten in Not Sicherheit bieten und militärische Unterstützung leisten zu können, sieht die Realität ganz anders aus – denn Sicherheit und Stabilität nehmen immer weiter ab. Dies unterstreicht nicht nur Russlands Unfähigkeit, seinen Verpflichtungen nachzukommen, sondern zeigt auch deutlich, dass es gar nicht wirklich die Absicht hat, dies zu tun. Russland beabsichtigt jedoch, seine böswilligen Aktivitäten auf dem ganzen Kontinent weiter auszuweiten.

Was treibt Russlands Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland in Afrika voran?

Die von Russland ins Visier genommenen Subsahara-Länder haben einige Gemeinsamkeiten: große Reserven an natürlichen Ressourcen, fragile politische Institutionen, ernsthafte Sicherheitsprobleme und ein Erbe aus der Kolonialzeit, mit dem sie zu kämpfen haben.

Die Motive hinter Russlands Einsatz von Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland in Afrika sind vielschichtig.

Erstens versucht der Kreml, seinen wirtschaftlichen und politischen Einfluss zu vergrößern, indem er lukrative Geschäfte abschließt, Zugang zu natürlichen Ressourcen erlangt und politische Bündnisse pflegt. Durch Manipulation der lokalen Informationsumgebung kann Russland die öffentliche Meinung beeinflussen, bevorzugte politische Kandidaten fördern und Regierungen destabilisieren, die seinen Interessen zuwiderhandeln.

Zweitens sind die russische Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland ein zentraler Bestandteil einer größer angelegten Strategie zur Beeinträchtigung der westlichen Beziehungen mit Subsahara-Ländern. Dazu gehören das Säen von Zwietracht, die Verstärkung bestehender Missstände und das Untergraben von Vertrauen in demokratische Institutionen. Derartige Taktiken fügen sich nahtlos in das übergeordnete Ziel Russlands ein, demokratische Normen zu untergraben und seinen Einfluss weltweit zu festigen.

Drittens soll Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland Juntas schönreden, die durch illegitime und brutale Militärgewalt an die Macht kamen und welche die Zivilbevölkerung mithilfe der Wagner-Gruppe weiterhin verarmen lassen und misshandeln. Das Ergebnis sind gespaltenere, fragilere und unsicherere afrikanische Gemeinschaften mit immer weniger Raum für unabhängige Medien.

Wie geht Russlands Apparat für Informationsmanipulation und Einflussnahme aus dem Ausland in Subsahara-Afrika vor?

Der Kreml setzt zur Realisierung seiner Bestrebungen ein umfassendes Arsenal an Instrumenten ein, zum Beispiel:

  • Errichtung lokalisierter Versionen zentraler Staatskanäle wie Sputnik Afrique, RT Afrique und Afrique Média. Letzterer ist die einflussreichste französischsprachige Nachrichtenquelle in der Region und fungiert als Verstärker für kreml- und wagnerfreundliche Desinformation. Zudem finanziert Russland lokale Radiosender wie Radio MaliBa FM in Mali und Zeitungen wie Ndjoni Sango in der Zentralafrikanischen Republik, die einen einseitigen, kremlfreundlichen Standpunkt vertreten.
  • Zweckentfremdung der panafrikanistischen Bewegung, um so vielen lokalen Zielgruppen wie möglich russische Narrative näherzubringen. Dazu gehören die inzwischen berüchtigte Nathalie Yamb, genannt „la dame de Sotchi“, oder Kémi Séba, die beide im Juli 2023 auf dem jüngsten Russland-Afrika-Gipfel in St. Petersburg teilnahmen. Von der Verbreitung antiwestlicher Rhetorik bis zur Förderung von Söldnern der Wagner-Gruppe rechtfertigen diese Sprachrohre auch regelmäßig Russlands Krieg gegen die Ukraine.
  • Erhöhung der Reichweite irreführender Inhalte in sozialen Netzwerken durch Einrichtung und Nutzung von Fake-Accounts und Trollnetzwerken auf afrikanischer, regionaler oder nationaler Ebene. Facebook dient als Hauptplattform zur Flutung des Informationsumfelds mit emotionalen und nachweislich falschen Inhalten.
  • Verbreitung polarisierender Inhalte zur Verdrehung der Wahrnehmung von Veranstaltungen, insbesondere während Protesten in Mali, in Burkina Faso, in der Zentralafrikanischen Republik, im Senegal und im Niger. Beispiele dafür sind die Verbrennung westlicher Flaggen oder Protestierende, die Flaggen Russlands oder der Wagner-Gruppe schwenken.
  • Erstellung und Verbreitung irreführender Videos, Animationsfilme, Kinofilme und Videoaufnahmen von Kämpfen, die alle das irreführende Narrativ verbreiten sollen, dass die Zusammenarbeit mit der Wagner-Gruppe der einzige Weg wäre, Afrika Sicherheit zu bringen, und die den Westen diffamieren sollen.

RECHTLICHER HINWEIS

Bei den Fällen in der EUvsDisinfo-Datenbank geht es um Aussagen im internationalen Informationsraum, die als parteiische, verzerrte oder falsche Darstellung der Realität und als Verbreitung von kremlfreundlichen Kernbotschaften identifiziert wurden. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die betroffenen Medien Verbindungen zum Kreml haben oder den Kreml redaktionell unterstützen oder dass sie absichtlich Desinformation verbreiten wollten. Die Veröffentlichungen von EUvsDisinfo stellen keine offizielle Position der EU dar, da die präsentierten Informationen und vertretenen Meinungen auf Medienberichten sowie Analysen der East StratCom Task Force basieren.

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