Niemand möchte die Nachrichtenverläufe seiner Freunde in den sozialen Medien mit Verschwörungstheorien oder Desinformationen beschmutzen. Nutzen Sie diese Liste, um Desinformationen aus dem Weg zu gehen!

  • Jeder macht mal bei der Eingabe einer Internetadresse einen Fehler. Betrüger machen sich diese Problematik zunutze, indem sie Fake-Websites erstellen, die wie echte, bekannte Medien aussehen.
  • Zum Beispiel sieht bbcnews1.com im Vergleich zur echten Website com/news merkwürdig aus, doch sich an die Domain-Endung („.info“ oder „.com“) zu erinnern, fällt manchmal schwer. Wenn Sie solche Fehler vermeiden wollen, erstellen Sie Lesezeichen für ihre beliebtesten Informationsdienste oder geben Sie den Namen der Nachrichtenseite einfach in eine Suchmaschine ein.
  • Wenn Sie in einer E-Mail oder in den sozialen Medien einen Hyperlink zugeschickt bekommen, halten Sie erstmal den Mauszeiger darüber, bevor Sie ihn anklicken. So können Sie die gesamte Adresse ansehen und nachprüfen, ob sie die Domain kennen. Dieser Schritt ist auch ein guter Ratschlag, um ihre Geräte vor Malware zu schützen.

  • Nachrichten sind oft recht langweilig, wenn es nicht um seltene Ereignisse geht, etwa wie zwei Leute einen Hund aus eiskaltem Wasser gerettet haben und dieser sich als Wolf herausstellte. Die Geschichte über die Ministranten, die Marihuana in ein Weihrauchfass gesteckt haben, ist fast genauso aufregend, aber leider ein Fake. Ihr erster Instinkt über den Wahrheitsgehalt einer Geschichte ist nicht immer zuverlässig, also stellen Sie sicher, den Inhalt auf anderem Wege zu überprüfen.
  • Wenn der Artikel, den Sie lesen, aus unbekannter Quelle stammt, überprüfen Sie dessen Inhalt im Vergleich zu führenden Nachrichtenseiten wie BBC, Deutsche Welle oder New York Times, bei denen professionelle Journalisten am Werk sind. Manchmal helfen die Websites von Ministerien oder staatlichen Stellen genauso gut weiter.
  • Aber aufgepasst, eine hohe Anzahl Follower bedeutet nicht unbedingt, dass ein Profil in den sozialen Medien eine zuverlässige Quelle darstellt.
  • Manchmal tauchen auch mehrere Jahre alte Artikel wieder auf und werden dann in einem völlig anderen Zusammenhang im Original oder mit Änderungen verwendet. Prüfen Sie stets das Datum der Veröffentlichung und seien sie bei Informationen oder Statistiken, die veraltet sind, aufmerksam.

  • Falsche oder irreführende Informationen können in nahezu jedem Kontext erscheinen. Zum Coronavirus wurden z. B. Artikel veröffentlicht, in denen fälschlicherweise behauptet wird, dass COVID-19 eine biologische Waffe sei, die in einem Labor entwickelt wurde; wahlweise durch die USA, die Schattenregierung oder George Soros hergestellt wurde; oder auch mit dem Ziel erschaffen wurde, Mikrochips in menschliche Köpfe zu implantieren und die Weltbevölkerung zu kontrollieren.
  • Bei einem Text, in dem behauptet wird, dass etwas geschehen ist, weil eine geheimnisvolle Gruppe mit böser Absicht dahinter steckt, sollten immer sofort die Alarmglocken klingeln. Dieser schrille Ton sollte immer lauter erklingen, wenn im Artikel behauptet wird, dass
    • nichts durch Zufall geschieht
    • nichts so ist, wie es scheint
    • alles miteinander zusammenhängt
  • Behalten Sie auch im Hinterkopf, dass die Weiterleitung von Artikeln, in denen fälschlicherweise angegeben wird, das Coronavirus könne mit Kochsalzlösung oder Ingwer besiegt werden, erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben könnte, da diese Angaben Menschen ermutigen könnten, die medizinischen Vorgaben der Behörden zu missachten.

 

  • Glaubwürdige professionelle Medien verstricken sich nicht in Verschwörungstheorien und belassen einseitige Meinungen dort, wo sie hingehören: in Kolumnen und Kommentaren.
  • Seriöser Journalismus folgt festgelegten Branchenstandards: ein Artikel sollte auf mehr als einer Quelle aufbauen und unterschiedliche Blickwinkel darlegen, um eine ausgewogene Darstellung eines bestimmten Themas zu erreichen.
  • Wenn Sie Zweifel haben, werden Sie einen Blick in die Rubriken „Über uns“ und „Kontakt“ des Medienkanals. Falls es sich tatsächlich um eine zuverlässige Nachrichtenseite handelt, müssten Sie eine Liste der dort arbeitenden Journalisten und transparente Angaben über die Organisation und ihre Finanzierung finden.
  • Wenn sie aufgeflogen sind, nutzen Desinformationskanäle häufig eine absonderliche Logik und argumentieren womöglich, dass nicht sie selbst, sondern Sie andere Menschen in die Irre führen oder Desinformationen verbreiten. Wie es Darth Putin in brillanter Art und Weise auf Twitter zusammengefasst hat: „Wenn es aussieht wie eine Ente, quakt wie eine Ente, abstreitet, eine Ente zu sein, einen Beweis dafür verlangt, eine Ente zu sein, Sie beschuldigt, eine Ente zu sein, behauptet, Ihr Hund und die Katze von Ihrem Freund seien Enten und die drei zuvor genannten ‚Enten‘ alle russlandfeindlich sein sollen, dann handelt es sich mit Sicherheit um eine Kreml-Ente.“

  • Kennen Sie den Autor des Artikels? Finden Sie dessen vorherige Werke? Angesehene Journalisten verfügen immer über Referenzen.
  • Prüfen Sie im Zweifel, ob der Autor (oder die Schlüsselwörter oder Abschnitte des Textes) auf einer Website zur Faktenprüfung Ergebnisse erzielen. Desinformationen sind ebenfalls nachvollziehbar.
  • Gibt es diesen Journalisten überhaupt? Einige unehrliche Autoren veröffentlichen unter einem fiktiven Namen.

  • Manchmal sind Experten keine echten Fachleute, sondern eher „Experten“, die zum Beispiel gleichzeitig auf den „Deep State“ , Außenpolitik und alte Außerirdische spezialisiert sind.
  • Und manchmal sind Denkfabriken, die versprechen, fortschrittliche Ideen und kritisches Denken vorzuleben, ganz einfach nur kremlfreundlich.
  • Wenn eine Geschichte nur auf anonyme Quellen verweist oder ganz ohne Quellenangaben auskommt, sollten Sie vorsichtig sein.

  • Etwas zu sehen, bedeutet nicht, dass Sie es auch glauben sollten. Manchmal werden Bilder in einem anderen Land oder viele Jahre später in einem völlig anderen Kontext Solche missbräuchlich eingesetzten Bilder können als „Nachweis“ herhalten, dass eine Kundgebung gegen die Ausgangsbeschränkungen im Zuge des Coronavirus oder gegen die NATO stattgefunden hat, selbst wenn dies nicht der Fall war.
  • Prüfen Sie nach, ob ein Bild zuvor verwendet wurde, indem Sie es bei der umgekehrten Bildersuche von Google oder bei TinEye
  • Durch Veränderung der Zusammensetzung, des Blickwinkels oder das Zuschneiden eines Fotos kann eine Menschenmenge klein oder riesig erscheinen. Und zur Not gibt es noch eine große Auswahl an Bildbearbeitungsprogrammen…
  • Bei Videos ist es nicht besser, denn kleine und große Fälschungen gelingen immer leichter. Lesen Sie die Beiträge im The Wall Street Journal und in der The New York Times.

 

  • Der Zweck einer Schlagzeile ist, dass die Leserschaft sie anklickt. Fallen Sie nicht auf Clickbaits rein, lesen Sie zuerst den Artikel (und teilen Sie ihn nur dann)!
  • Wenn Sie sehr beliebte Beiträge in sozialen Medien entdecken, hüten Sie sich vor Bots! Es sollte Sie stutzig machen, wenn ein Profil mehr veröffentlicht, als es einem Menschen überhaupt möglich ist, Probleme mit der Beherrschung einer Sprache oder Syntax hat oder sich nicht an einer Konversation beteiligen kann.
  • Nur weil etwas häufig geteilt wurde, heißt es nicht, dass es wahr ist. Eigentlich bedeutet das nicht einmal, dass es beliebt sein muss, denn der Kauf von mehr als 50 000 ‚Gefällt mir‘-Angaben, geteilten Beiträgen, Retweets und Aufrufen kostet nur ein paar Hundert Euro.
  • Oft zielen Desinformationen auf Emotionen wie einen Sinn für Ungerechtigkeit, Angst, Dringlichkeit, Abscheu und andere negative Gefühle ab. Bilder, Emojis und starke Schlagzeilen ergänzen die emotionale Botschaft eines Artikels oder Beitrags in den sozialen Medien. Achten Sie darauf, wie diese Taktiken in Kombination eingesetzt werden, um eine bestimmte Botschaft zu vermitteln.
  • Witze und Satire sind eigene Ausdrucksformen, die nicht auf Fakten basieren müssen. Deshalb handelt es sich um Witze oder Satire. Lachen Sie köstlich darüber, aber fassen Sie diese nicht als enthüllte Wahrheiten auf.
  • Wenn Sie ihre Kenntnisse testen möchten, versuchen Sie sich am EUvsDisinfo-Quiz, um zu sehen, ob Sie echte Nachrichten, Satire und Desinformationen unterscheiden können.

Datenbank für Desinformationen zum Coronavirus – FIRSTDRAFT
Faktenprüfer: Polygraph, StopFake, Snopes, und Politifact
Finden Sie lokale Faktenprüfer in dieser Liste oder werfen Sie einen Blick auf diese Organisationen, die mit Facebook zusammenarbeiten

Online-Untersuchungen – Bellingcat
Aufdeckung und Erläuterung von Desinformationen – Digital Forensics Lab

 Europäische Initiativen:
EUvsDisinfo-Datenbank
Europäische Kommission: Euromythen
Denkfabrik des Europäischen Parlaments: Desinformationen
Europawahl 2019

 Weitere Informationen finden Sie in unserer Leseliste. Wenn Sie zu der Einschätzung kommen, dass Sie alles, was hier beschrieben wurde, und noch mehr wissen, geben Sie Ihr Wissen an andere weiter!