Getarnt als Journalismus kann die kremlfreundliche Desinformationskampagne Ängste und Sorgen ausnutzen. Roter Faden diese Woche: das Gespenst der Massenmigration, die das Gesicht und die Kultur Europas vollkommen verändern werde. Medien setzten ihren Schwerpunkt auf die „Bedrohung durch den Migranten“.

„Europa wird muslimisch“ – diese Nachricht verbreitete sich in den russischsprachigen Desinformationsmedien. „Die Islamisierung Europas ist unvermeidbar“, „Islamisches Kalifat in Europa: Warum Muslime in der EU Christen verdrängen werden“, so lauteten die Überschriften.

Die Medien bezogen sich auf eine Studie des Pew-Forschungszentrums zur muslimischen Bevölkerung Europas. Die Studie errechnete in der Tat drei Szenarien zum Wachstum der muslimischen Bevölkerung in Europa. Aber auch im höchsten Szenario wird 2050 nicht mehr als 14% der europäischen Bevölkerung muslimisch sein. (Zum Vergleich: Laut dem jüngsten Zensus 2002 sind 10% der russischen Bevölkerung Muslime). Das ist nicht das identitätsverändernde Erdbeben, das in den besorgten Medien voraus gesagt wird.

In Wirklichkeit erwähnt der Bericht eine „Islamisierung“ Europas gar nicht und die Desinformationsmedien geben keine Antwort darauf, was das eigentlich bedeuten solle. Der Leser wird nur mit dem Gefühl zurück gelassen, dass Europa in Gefahr ist und dabei ist, etwas zu verlieren, was für uns heute wertvoll ist: Unsere Werte, Freiheiten und schlussendlich unsere Identität.

Das ist ein häufiger Gedankengang der kremlfreundlichen Desinformationen. Zur Hintergrundinformation: Lesen Sie hier mehr über die verschiedenen kremlfreundlichen Desinformationsnarrativen zur Migration.

Tschechischsprachige Desinformationsmedien stießen ins gleiche Horn. Man vernahm, dass Schweden fast in einem Kriegszustand sei, da Einwanderer und Kriminalität das Land übernommen hätten. Dabei landete Schweden 2017 auf dem fünften Rang im weltweiten Wohlstandsindex, auf dem 18. Rang im Weltfriedensindex und auf dem zehnten Platz im Weltglücksbericht.

In der Tschechischen Republik berichtete Sputnik, dass die EU 56 Millionen Muslime „in ihren Strukturen“ brauche. Dies sei der Grund, warum die tschechische Regierung nicht in den Schutz tschechischer Grenzen investieren könne. Lesen Sie die Widerlegung dieser Theorie hier.

Screenshot aus einem desinformierenden Dokumentarfilm. Der Text lautet: „Die Rote Armee befreit die Arbeiterschaft Finnlands“.

Renaissance sowjetischer Geister

Sowohl für den 100. Jahrestag der finnischen Unabhängigkeit am 6. Dezember sowie für den Jahrestag des Beginns des Winterkrieges am 30. November 1939 hatte die kremlfreundliche Desinformationen ein Geschenk vorbereitet.

Am 23. November strahlte der Fernsehsender Sankt-Peterburg einen 26-minütigen „Dokumentarfilm“ aus, eine Wiederholung von letztem Jahr, die von dem Winterkrieg zwischen der Sowjetunion und Finnland 1939-1940 handelte. Die Zeitung Ilta-Sanomat widerlegte zehn Lügen darin, darunter einige Geister der Sowjetpropaganda wie „Finnland hat die Sowjetunion zuerst angegriffen“ und „weder die UdSSR noch Russland haben jemals einen Krieg angefangen“. Sogar derzeitige russische Schulbücher erwähnen, dass es die Sowjetunion war, die den Winterkrieg anfing.

Wahrheitswidrige Parallelen zur heutigen Politik konnten nicht fehlen. Unabhängige Staaten, wie Finnland im Jahr 1939 und—keine Überraschung—die heutige Ukraine, wurden verglichen und „russisches Territorium“ genannt.

Für eine detaillierte Widerlegung dieser immer wiederkehrenden Desinformationen, siehe hier.

Die komplette Tabelle der neuesten Berichte mit Falschmeldungen lesen (auf Englisch)