Die Fakten sind bei Märchen schwarz-weiß und leicht zu verstehen. Der Bösewicht ist immer grausam, schrecklich und heimtückisch; der Held ist rein, edel und ehrlich. Ein Blick in Richtung kremlfreundliche Desinformationskampagnen zeigt ein ähnliches Bild.

Diese Woche sah man wieder die schon altbekannte Weise vom Guten Russland und vom Bösen Westen. Einige Medien teilten die Auffassung, dass die USA bezwecken, Russland zu erobern; andere propagierten die altbekannte Sichtweise, dass die NATO-Erweiterung eine Aggression gegenüber Russland darstelle, was wir schon früher widerlegt haben und was auch von der NATO gründlich wiederlegt wurde. Der Beitritt Montenegros zur NATO wurde als westliche Verschwörung dargestellt, um Russlands Einfluss auf dem Balkan zu verringern; es wurde jedoch ignoriert, dass Montenegro selbst die Entscheidung traf, der NATO beizutreten. Die NATO-Erweiterung sei auch Schuld an der illegalen Annexion der Krim, wobei vergessen wurde, dass Russland die Kontrolle über die Halbinsel übernommen hatte und dass dieser Verstoß gegen das Völkerrecht nichts mit der NATO zu tun hat. Das Konzept der Russophobie ist wesentlich für dieses Weltbild und diese Woche sah man wieder einmal die falsche Vorstellung, dass „der Westen“ eine Verschwörung in die Welt gesetzt habe, um Russland all seine Ressourcen zu entziehen.

Die Präsenz von NATO-Soldaten in den baltischen Staaten wurde als „identisch“ zu den Angriffen Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion 1941 beschrieben und Angela Merkel „Führer des Vierten Reiches“ genannt—der Vergleich des heutigen Deutschlands, und vor allem von Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit dem nationalsozialistischen Deutschland, kehrt in der kremlfreundlichen Desinformation immer wieder. Die NATO Enhanced Forward Presence in den baltischen Staaten ist, wie 2016 auf dem Gipfel in Warschau beschlossen wurde, eigentlich Teil der verstärkten NATO Abschreckungs- und Verteidungshaltung.

Terrorismus und Drogenmissbrauch

Nach den jüngsten Terrorangriffen hat die Desinformationskampagnen diese tragischen Ereignisse für ihre eigene Zwecke ausgenutz; das haben wir schon früher beschrieben. Diese Woche stand in in kremlfreundlichen Medien, dass der Westen vermutlich den Terror nicht bekämpfen wolle, dass er am jüngsten Terroranschlag in London selbst Schuld sei und dass die US-amerikanischen Geheimdienste den islamischen Fundamentalismus erschaffen hätten. Man las auch, dass der Anschlag in London inszeniert gewesen sei (die Idee der Operation unter falscher Flagge ist ein wiederkehrender Mythos) und dass die CNN eine Demonstration inszeniert hätte, bei der Muslime den Anschlag verurteilten—Gerüchte, die CNN in einer Mitteilung von sich wies.

Laut kremlfreundlichen Medien beweist dieses Foto, dass der Anschlag in London inszeniert worden sei.

Kremlfreundliche Medien können die Ukraine nicht eine Woche alleine lassen. Dieses Mal standen Drogen im Rampenlicht der Desinformation. Angeblich benutzen ukrainische Geheimdienste Drogensüchtige zur Spionage in der Ostukraine—es gibt nichts, was diese Behauptung stützen würde (und man kann sich fragen, ob Drogensüchtige wirklich der beste Weg sind, um an vertrauliche Informationen zu kommen). Man last ebenfalls auf der gleichen kremlfreundlichen Webseite, dass die ukrainische Regierung versuche, die Zahl der Drogensüchtigen in dieser Region zu erhöhen. Der offizielle Fernsehkanal des russischen Verteidigungsministeriums, TV Swesda, berichtete, dass der ukrainische Geheimdienst plane, über 200 kg Kokain in den Donbas zu schmuggeln und das Volk zu „betäuben“. Wie gewöhnlich gab es keine Beweise.

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