Als Shakespeare die berühmten Worte „Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften“ schrieb, wies er darauf hin, dass es entscheidend ist, was etwas ist und nicht wie es genannt wird.

Diese Woche konnte man in kremlfreundlichen Desinformationen einen umfangreichen Gebrauch des Wortes „Krieg“ beobachten. Zuerst wurde der Ausschluss russischer Athleten von den bevorstehenden Olympischen Spielen  zum wiederholten Mal   als Krieg gegen Russland bezeichnet. Tatsächlich war es das systematische, staatlich unterstützte Dopingprogramm in Russland, welches das IOC veranlasst hatte, einige russische Athleten zu sperren. Russische Athleten, die nicht des Dopings überführt wurden, dürfen unter der olympischen Fahne teilnehmen. Es handelt sich also schwerlich um einen Krieg.

Ferner wurde in einem ungarischen Medium behauptet, in Schweden würden sich Immigranten  in einem Krieg mit den Behörden befinden und dass der schwedische Ministerpräsident das Militär einsetzen wolle, um die Ordnung wieder herzustellen. Der schwedische Ministerpräsident hat tatsächlich den Einsatz des Militärs vorgeschlagen, jedoch nicht im Zusammenhang mit Einwanderern, sondern um die Gewalt zwischen kriminellen Banden zu bekämpfen.

Aber was ist mit der Ukraine? Dort findet doch gerade ein Krieg statt, oder nicht? Definitiv ja, aber welche Art von Krieg? Ein Bürgerkrieg, also einer ohne ausländische Einmischung? Ein Krieg ohne Bezug zu Russland? Hat die Ukraine den Krieg gegen Russland angefangen?

Das alles schlugen kremlfreundliche Medien diese Woche vor. Gut, das Büro des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshof ist zu dem Schluss gekommen, dass die Situation im Gebiet der Krim und Sewastopols einem internationalen bewaffneten Konflikt zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation gleichkomme. Dieser Konflikt begann spätestens am 26. Februar 2014, als die Russische Föderation Mitglieder ihrer Streitkräfte ebendort ohne Einwilligung der ukrainischen Regierung stationierte, um Teile ukrainischen Gebiets unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Krieg findet also auf dem Gebiet der Ukraine stattfindet und eben gerade nicht in Russland.

Die heilige Ehe zwischen Verschwörungen und Desinformationen

Viele Leser werden bestimmt schon einmal von der Verschwörungstheorie über Chemtrails gehört haben. Sie ist ein alter Liebling in Verschwörungsmedien und taucht immer und immer wieder auf. Doch der Schuldige ist nicht immer derselbe. Verschwörungstheoretiker schreiben den „Chemtrails“—oder „Kondensstreifen“ wie sie die wissenschaftliche Allgemeinheit nennt—ein von der Regierung geheim gehaltenes Programm zu.

Diese Woche wurde die NATO dafür verantwortlich gemacht, Polen über „Chemtrails“ mit Gift zu besprühen. Wie DFR Lab ausführlich darstellt, kann diese spezielle Verschwörung bis ins Jahr 2010 zurückverfolgt werden. Eine gemeinsame Eigenschaft von Desinformationen und Verschwörungstheorien ist, dass kein Beweis hergezeigt werden muss, um die aufgestellten Behauptungen zu unterstützen, wie dieses Beispiel zeigt.

Wie man schon mehrere Male zuvor beobachten konnte, gehen Verschwörungstheorien und Desinformationen oftmals Hand in Hand. Verschwörungstheorien können viel Klicks und Aufmerksamkeit erzeugen, womit sie die besten Voraussetzungen dafür sind, gezielte Desinformationen über etwas oder jemanden zu erschaffen. Siehe dazu das Beispiel der Rothschild-Verschwörungstheorie, die im russischen Staatsfernsehen verbreitet wurde oder die Verschwörungstheorie rund um den Abschuss des Flugs MH17 oder natürlich die klassische russische Desinformationskampagne, in der AIDS als von US-Experimenten verursacht dargestellt wird.

Das ist eine von vielen Desinformationstechniken aus dem Werkzeugkasten des Kremls. Auf unserer Webseite gibt es viele Beispiele über den Gebrauch von Verschwörungstheorien bei kremlfreundlichen Desinformationen.

In den Worten von Shakespeare würde eine Rose lieblich duften, wie sie auch hieße. Desinformationen will oftmals verwirren und die Benutzung von Verschwörungstheorien unterstützt diesen Aspekt. Doch schlussendlich muss man nur schauen, was es in Wirklichkeit ist—eine Desinformation wird eine Desinformation bleiben, egal, wie man sie auch verkleidet.

Übersetzungen aus dem Englischen: Astrid Schwaderer

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