Während sich das Nordamerikanische Luftverteidigungssystem darauf vorbereitet, am 24. Dezember nach alter Tradition die Reise des Weihnachtsmanns um die Welt mitzuverfolgen, bietet sich auch ein Blick darauf an, wie die kremlnahen Medien den Globus überziehen.

Unsere Recherchen haben ergeben, dass die Nachrichtenagentur Sputnik in nahezu 30 Ländern eine Webseite eingerichtet hat. Diese Länder erstrecken sich von Vietnam bis Armenien und die entsprechenden Seiten sind unter anderem in Arabisch, Dari und Persisch verfasst.

Insgesamt gibt es 49 verschiedene URL‑Adressen und manche Sputniks sind in bis zu drei verschiedenen Sprachen pro Land aktiv. Noch beeindruckender ist aber, dass 31 der URLs in unserer Datenbank geführt werden, was bedeutet, dass sie Desinformationen verbreiten. Betroffen sind Länder von Usbekistan bis Belarus und von Deutschland bis Spanien.

Anders ausgedrückt: Während der Weihnachtsmann einmal im Jahr um die Welt fliegt, tun es die kremlnahen Desinformationen Tag für Tag.

WADA, Browder und die baltischen Staaten

Letzte Woche setzten kremlnahe Desinformationsstellen angesichts der Entscheidung der Welt-Anti-Doping-Agentur, Russland die Teilnahme an den Olympischen Spielen zu verbieten, zum Gegenschlag an. Dazu wurden Dopingvorwürfe als absurdes Theater, Waffe gegen Russland und Rache für die Erfolge russischer Sportlerinnen und Sportler dargestellt. In Wirklichkeit hätte sich Russland ernsthaft bemühen können, sein staatlich gefördertes Dopingsystem zu beenden, entschied sich aber offensichtlich dagegen.

Diese Weigerung, Verantwortung zu übernehmen, zeigt sich auch im Fall von Sergej Magnitski, der gefoltert wurde, dem keine medizinische Versorgung gewährt wurde und den man schließlich in einem russischen Gefängnis dem Tod überließ. Stattdessen beschreiben die kremlnahen Medien Bill Browder, den wichtigsten Befürworter der sogenannten „Magnitski-Sanktionen“ gegen russische Beamte, als Steuern hinterziehenden jüdischen Oligarchen, der unentwegt Lügen über seinen toten Wirtschaftsprüfer verbreite, um alle Welt zum Hass auf Russland anzustacheln.

Und wo wir gerade beim Ansehen Russlands im Westen sind: Laut kremlnahen Desinformationsstellen sind die baltischen Staaten die wesentlichen Übeltäter, was die Verbreitung von Russophobie betrifft. Demnach unterstünden sie der politischen Kontrolle Washingtons und unterlägen einer zunehmenden Militarisierung. Allgemein könnte man sagen, dass die Signale, die von Sputnik ausgehen, die gleichen sind wie 1957, als der gleichnamige Satellit startete: Selbstverteidigung wird als Aggression und Kritik des Westens an Russland als haltlos, gar absurd dargestellt.

In Finnland wurde zusätzlich zur Desinformation auch noch ein alter Trick angewandt: Es wurde berichtet, dass ein neuer „Journalistenverband“ gegründet worden sei. Zur Klarzustellung: Der echte Journalistenverband in Finnland (www.journalistiliitto.fi) hat fast 15.000 Mitglieder aus dem Kreis der Medienschaffenden. Der Nachahmerverband imitiert den Domainnamen (mit dem Kürzel .com statt .fi), sein stellvertretender Vorsitzender ist allerdings ein Finne, der jahrelang im besetzten Donezk gelebt und dort eine propagandistische Medienoperation geleitet hat. Zum Glück hat Twitter bereits reagiert und das Konto der Nachahmerorganisation gesperrt. Gefälschte NGOs mit falschen Webseiten und Social-Media-Konten, gefälschte Botschaften und selbst gefälschte Faktenchecker der kremlnahen Desinformanten sind nichts Neues. Zuvor hatte schon eine sehr ähnliche Operation das Europäische Kompetenzzentrum zur Bewältigung hybrider Bedrohungen (European Centre of Excellence for Countering Hyrbid Threats) in Helsinki ins Visier genommen.

Wenn die kremlnahen Medien ihre Berichterstattung nicht ändern, werden auch wir weiterhin gegen Desinformationen auf Weltreise vorgehen. Das ist doch mal ein schöner Vorsatz für das neue Jahr.