Um die Oberhand zurückzugewinnen, muss so schnell als möglich reagiert werden. Schicke die professionellsten Spieler aufs Feld. Benutze alle Kanäle um deine Desinformation durchzubekommen.

Die kremlfreundliche Desinformationsmaschinerie arbeitete die letzten zwei Wochen auf Hochtouren, um widersprüchliche Theorien bezüglich der Vergiftung des russischen Ex-Agenten Sergei Skripal zu verbreiten. Wir haben die Ziele dieser Kampagne bereits letzte Woche im Detail behandelt.

Jetzt wird es Zeit hinter den Nebel zu blicken, den die kremlfreundlichen Desinformationen verbreiten. Wer sind die dahinterstehenden Akteure? Wie hat sich die Nachrichtenübermittlung entwickelt? Und was sind die größten Schwachstellen der Desinformationskampagne?

Zunächst, ein paar Fakten. Der frühere Doppelagent Sergei Skripal und seine Tochter wurden am 4. März in Salisbury vergiftet. Ein anwesender Polizist wurde ebenfalls schwer getroffen. Gemäß dem Vereinigten Königreich war dies entweder eine direkte Aktion des russischen Staates gegen Großbritannien oder die russische Regierung hatte die Kontrolle über ihr Nervengas verloren und damit erlaubt, dass es in die Hände Dritter gelangen konnte. Das Ergebnis: Ein militärisch nutzbares Nervengift eines von Russland entwickelten Typs wurde zum ersten Mal seit über 70 Jahren auf Europäischem Boden eingesetzt, wie der Rat für Auswärtige Angelegenheiten der EU bemerkte.

Wer verbreitet was?

Das russische Außenministerium, die Botschaften, Top-Diplomaten, staatlich-kontrollierte Fernsehkanäle und globale Unternehmen wie Russia Today und Sputnik sind alle an der Verbreitung verschiedener Theorien über die Vergiftung beteiligt.

„Russland besitzt kein Novichok, es stammt aus Großbritannien/ der Tschechischen Republik/ Schweden/ den baltischen Staaten“. Anfangs behauptete der ständige russische Vertreter bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) über Sputnik, dass das Nervengas aus dem Vereinigten Königreich, der Tschechischen Republik, Schweden und den baltischen Staaten stammen könnte. Dieselbe Desinformation wurde später vom russischen Außenministerium wiederholt und letztendlich ruderte der russische Botschafter in Schweden zurück und gestand, dass es sich nur um „eine Schätzung“ gehandelt habe.

„Es handelte sich um eine Operation unter falscher Flagge von Großbritannien zur Diskreditierung Russlands“. Diese Desinformation ist auf allen Ebenen eine der am häufigsten wiederholten Botschaften. Sie wurde vom russischen Gesandten im UN-Sicherheitsrat vorgebracht. Varianten dieser Version wurden kontinuierlich von drei Hauptmoderatoren der staatlich kontrollierten Fernsehkanäle gesendet.

„Die Ukraine vergiftete Skripal“.  Die Anschuldigung, nach der die Ukraine nicht nur von Nazis regiert werde und einen Völkermord im Donbas befohlen habe, sondern auch Skripal vergiftet habe, hörte sich so albern an, dass sie zunächst nur unter verschiedenen Vorbehalten erwähnt wurde. Doch einige Tage später verstärkte sich diese Behauptung zu einem weiteren Element des Desinformationsnarratives, was von den beiden Chefpropagandisten im Fernsehen und auf Nachrichtenseiten der russischen Regierung wie Ukraina.ru verbreitet wurde.

„Das Vereinigte Königreich manipuliert die OPCW“. Die Schädigung des Ansehens internationaler Ermittlungen ist eine der grundlegenden von kremlfreundlichen Desinformationen benutzten Taktiken und wurde schon früher intensiv bei der Verunglimpfung der von den Niederlanden geführten Ermittlungen bezüglich des Abschusses der MH17 eingesetzt. Dieses Mal war es der Stellvertreter des russischen Außenministers, der behauptete, Großbritannien manipuliere die Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW).

Eine kremlfreundliche Desinformation behauptet, die Vergiftung des Ex-Spions sei von Großbritannien oder den USA inszeniert gewesen—das Motiv müsse Russophobie gewesen sein. Sehen Sie hier die Widerlegungen.

Eines der wildesten Beispiele online verbreiteter Desinformationen legte nahe, dass Skripal von seiner zukünftigen Schwiegermutter oder von Theresa May selbst vergiftet worden sei—weil diese mit der designierten Direktorin der CIA befreundet sei.

All diese Fälle haben die Fähigkeit gemein, zu verwirren und von jeglichen Verdacht russischer Beteiligung abzulenken. Seit mehr als zwei Wochen spielt die kremlfreundliche Desinformationsmaschinerie geschäftig auf Zeit. Der Ausgangspunkt—Russland weist seine Beteiligung an der Vergiftung ohne handfeste Argumente zurück—ist schwach. Doch mit der Ablenkung des Publikums fällt die Desinformationskampagne in bekannte Taktiken zurück und versucht alles, um eine Schwäche in einen Vorteil umzuwandeln.

Übersetzungen aus dem Englischen: Astrid Schwaderer