„Die OPCW ist kein Theater“, bemerkte am 26. April Peter Wilson, der britische Gesandte zur OPCW. Doch die Diskreditierung besagter Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) und ihr Missbrauch als Plattform für eine Desinformationskampagne war genau das, was Russland letzte Woche versucht hatte. Wie so oft wurden Kinder in das Rampenlicht der Desinformationen gestellt.

Zuerst wurde ein Interview mit einem 11-jährigen syrischen Jungen auf Russia Today international ausgestrahlt, in den sozialen Medien von In the Now geteilt—ein Ableger von Russia Today, jedoch ohne Hinweise darauf im Branding—und von russischen Diplomaten weiter verbreitet.

Das Interview wurde als „Beweis“ für die zentrale Behauptung der andauernden russischen Desinformationskampagne präsentiert: Der Chemiewaffenangriff im syrischen Duma sei gefälscht gewesen. Dieselbe Desinformation wurde in verschiedenen Sprachen verbreitet.

Doch das erste Problem besteht darin, dass im Gegensatz zur Behauptung des Reporters, Recherchen von Intercept aufzeigten, dass das Interview in einem syrischen Militärgebäude gefilmt wurde, wo russische Militärberater anwesend waren.

Zweitens deuten verschiedene Zeugenaussagen, Befunde medizinischer NGOs, authentifizierte Fotos und Videos sowie Berichte von Partnern der WHO alle auf eine Gasvergiftung der Patienten hin.

Und drittens, konträr zur Behauptung Russlands, es hätte ein organisiertes Vorgespräch der OPCW zu diesem Thema gegeben, hat ein solches Treffen nie stattgefunden. Stattdessen erklärten 17 Staaten, dass „Russland versucht den falschen Eindruck zu wecken, die OPCW habe auf Verlangen Russlands dieses Treffen einberufen. Nichts könnte von der Wahrheit weiter entfernt sein“.

Der Generaldirektor der OPCW distanzierte sich persönlich von einem solchen Ereignis und “informierte Russland, dass ein solches Treffen, bei dem „Zeugen“ angeben, angeheuert worden zu seien, um einen Chemiewaffenangriff zu simulieren, der derzeitigen Arbeit der OPCW-Ermittler in Syrien zuwider laufe. Falls diese „Zeugen“ nützliche Informationen zu dem Vorfall besitzen, sollten sie zuerst bei der FFM für eine Aussage vorstellig werden“.

Der Missbrauch von Augenzeugen spielt eine wesentliche Rolle in Russlands andauernder Desinformationskampagne zu dem Chemiewaffenangriff in Duma. Es gibt verschiedene Berichte, wonach syrische Ärzte unter Druck zu der Aussage gezwungen wurden, es hätte kein Chemiewaffenangriff stattgefunden.

Sehen Sie unten einen Zeitstrahl, wie Russland die zwei Haupt-Desinformationskampagnen zu der Vergiftung in Salisbury und zu dem Chemiewaffenangriff in Syrien aufgebaut hat. Wenn Sie auf das Bild klicken, erhalten Sie interaktive Links zu den Widerlegungen sowie Originalquellen.

Offenlegung der Namen der Kinder sowie der Fotos

Es gibt eine tief verwurzelte Tradition der Benutzung von Kindern in der kremlfreundlichen Desinformationskampagne und das ohne jegliche Normen der journalistischen Ethik und Praxis zu verfolgen. Die Namen der Kinder sowie Fotos werden verraten und veröffentlicht und weiter für die Ziele der Kampagne genutzt. Wir haben dies schon früher bei der gefälschten Geschichte über ein 13-jähriges russischsprachiges deutsches Mädchen, Lisa, beobachten können, sowie bei der jahrelangen Desinformationskampagne, die behauptet, dass „skandinavische Länder Kinder russischen Familien wegnehmen“.

Während der letzten Wochen wurde eine weitere Variation desselben Desinformationsnarrativs in Georgien veröffentlicht, wonach Inzest in Norwegen legalisiert würde, sowie dass die Vereinten Nationen eine neue Anordnung zur „Sexualisierung fünfjähriger Kinder“ erlassen habe. Beide Behauptungen sind falsch.

Übersetzungen aus dem Englischen: Astrid Schwaderer

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