Während kremlfreundliche Medien weiterhin Polen im Visier haben, bietet das neuartige Lungenvirus (Coronavirus) neue Möglichkeiten für Desinformation.

Ähnlich wie sich die Nachricht über ein bisher unbekanntes Atemwegsvirus, das bereits mehr als 100 Menschenleben gefordert hat, weltweit ausbreitet, breiten sich auch die Verschwörungstheorien aus.

Eine mysteriöse Erkrankung, die vom Tier auf den Menschen übertragen wurde und tödlich verlaufen kann, eignet sich bestens für Verschwörungstheorien: das Thema ist alarmierend, sehr komplex und hat bislang mehr Fragen als Antworten zu bieten. Für kremlfreundliche Medien ist das Coronavirus geradezu ein Desinformations-Füllhorn.

„Es ist eine gegen China gerichtete US-amerikanische Massenvernichtungswaffe aus einem der US-Militärlabors, die Russland und China umgeben. Nutznießer sind Pharma-Riesen und amerikanische Unternehmen”:  Die kremlfreundliche Desinformationsmaschine folgt wie üblich ihrer eigenen Logik. Eines der bekanntesten und erfolgreichsten Beispiele für sowjetische Desinformation war das vom KGB in den 1980er Jahren gestreute Gerücht, das HIV-Virus sei eine Biowaffenoperation der CIA.

Erst 2016 behaupteten kremlfreundliche Stellen, das Zika-Virus sei das Produkt amerikanischer und britischer Unternehmen. Auch Krebs, Syphilis und die Spanische Grippe werden als biologische Waffen der USA etikettiert. Die Ukraine wird beschuldigt, im Auftrag des US-Militärs das Ebola-Virus unter prorussischen Separatisten zu verbreiten. Die Geschichten über geheime US-Militärlabors, die in Russlands Nachbarschaft Krankheiten verbreiten, sind so präsent, dass rund 20 % der Georgier glauben, auch das Lugar-Labor in Tiflis gehöre dazu. (Das stimmt aber nicht).

Während sich das Coronavirus weiter ausbreitet, und die Behörden ein Rennen gegen die Zeit führen, treten immer mehr Schauermärchen ihre Reise um den Globus an – mit verheerenden Folgen.

Anhaltende Angriffe gegen Polen

Auch in dieser Woche rissen die systematischen Antisemitismus-Vorwürfe des kremlfreundlichen Lagers gegenüber Polen nicht ab.

Polen wurde beschuldigt, vehement Hitlers Politik schönfärben zu wollen, den Nazismus zu rechtfertigen und mit seinen Kriegsgefangenenlagern ein Model für Auschwitz geboten zu haben. So haarsträubend solche Horrorgeschichten gerade zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust auch sind – sie überraschen nicht wirklich.

Wie EUvsDisinfo zuvor bemerkte, wurde Polen sorgfältig als Ziel einer breit angelegten Desinformationskampagne ausgewählt. Diese Kampagne lief unmittelbar nach der Entschließung des Europäischen Parlaments „zur Bedeutung des europäischen Geschichtsbewusstseins für die Zukunft Europas“ an.

Offenbar wurde die Entschließung, in der sich das Parlament besorgt über „die Bemühungen der derzeitigen russischen Führung, die vom totalitären Regime der Sowjetunion begangenen Verbrechen schönzufärben“ zeigte, in Kremlkreisen als Beleidigung aufgefasst. Seit Annahme der Resolution Mitte September betreiben kremlfreundliche Medien aggressiven Geschichtsrevisionismus und verunglimpfen Polen ebenso wie das Europäische Parlament.

Auch diese Woche behaupteten selbst ernannte Experten im russischen Staatsfernsehen, das Europäische Parlament sähe nur aus Rücksicht auf die amerikanischen Juden von einer Entschließung ab, die den Juden die Schuld am Beginn des Zweiten Weltkriegs zuweist.

Mit mehr als einem Dutzend neuer Falschmeldungen in Richtung Polen instrumentalisiert der Kreml wohl auch weiterhin die Geschichte für seine Zwecke. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Top 3 der Desinformationsfälle in dieser Woche: