Putin, der Meister im Kremls, ist wie der böse Weihnachtsmann der Desinformation. Alle Jahre kommt er wieder und übergibt uns Geschenke, die wir uns nie gewünscht haben. Und im Jahr 2023 waren viele wirklich schreckliche Geschenke darunter. Währenddessen hat seine Troll-Armee – die für die Produktion und Verteilung der Desinformationen zuständig ist – hart daran gearbeitet, diesen Sack an Lügen zu verbreiten.
Daher nehmen wir von EUvsDisinfo uns kurz nach dem Ende von 2023 einen Moment Zeit, die krassesten Fälle von kremlfreundlichem manipulativem Verhalten des letzten Jahres aufzulisten. Das gibt uns vielleicht auch schon einen Vorgeschmack darauf, was im Jahr 2024 zu erwarten ist.
Ungeliebte Geschenke, die immer wieder verschenkt werden: Das hat sich 2023 nicht geändert
Manche Verwandte schenken sich gegenseitig immer wieder das gleiche Geschenk. Meistens ist es ein Präsent, das einem noch nie gefiel, wie ein zu großer Pullover oder eine hässliche Krawatte. Viele kremlfreundliche Desinformationsnarrative im letzten Jahr fühlten sich an wie diese wiederverschenkten, ungeliebten Geschenke.
So überrascht es nicht, dass in der verdrehten alternativen Realität des Kremls die Ukraine immer noch ein böses Land ist, das sehr, sehr böse Dinge tut. Es ist also weiterhin ein von Nazis regiertes, terroristisches, satanistisches Land, das Kriegsverbrechen begeht, fälschlicherweise behauptet, Russland begehe Kriegsverbrechen, Kinderhandel mit Pädophilen betreibt, mit menschlichen Organen und sogar mit Organen von Kindern handelt und verdeckte biologische und nukleare Angriffe plant, um deren Folgen dann Russland anzulasten. Also nicht gerade das, was einen in Weihnachtsstimmung versetzt.
Aber noch mehr lächerliche Unwahrheiten liegen auf dem Grund dieses Lügensumpfes. Nach Ansicht der russischen Schöpfer dieser alptraumhaften Fantasiegeschichten sind auch die westlichen Länder weiterhin sehr böse und tun böse, böse Dinge. Diese hinterhältigen westlichen Länder haben nämlich nichts anderes zu tun, als sich russophob zu verhalten und wann immer möglich Instabilität und Chaos zu verursachen. Zur Erklärung: Wenn kremlfreundliche Kommentatoren Sie als russophob bezeichnen, bedeutet das in der Regel, dass Sie es gewagt haben, sich gegen die russischen Schikanen gegenüber den kleineren Nachbarn des Landes auszusprechen.
Und auch wenn die westlichen Länder nicht komplett von Nazis beherrscht werden – obwohl dies laut schwarzer Liste des Kremls bei Kanada definitiv der Fall ist – dann sind sie sicherlich Nazis nicht abgeneigt. Diesem winterlichen Fiebertraum zufolge probiert der Westen den Nationalsozialismus aus, so wie eine neue Hose, die wir uns von einem Weihnachtsgutschein kaufen möchten. Übrigens, Kanada wird nicht nur von Nazis regiert. Es hat auch eine monströse Woke-Agenda.
Diese Liste wäre nicht vollständig, wenn sie nicht auch völlig verrückte Geschenke enthalten würde. In diesen konfusen Aussagen wird zum Beispiel behauptet, dass die Ukrainer gar nicht gegen die Russen kämpften. Eigentlich kämpften die Ukrainer Seite an Seite mit den Russen gegen polnische oder afroamerikanische Söldner auf Seiten der ukrainischen Streitkräfte. Keine Zutat verfeinert den Weihnachtsstollen des Kremls besser als eine Prise Rassismus.
Neue „Leckerbissen“ fürs neue Jahr?
Das sind also die erbärmlichen, kremlfreundlichen Geschenke von letztem Jahr. Aber haben wir eine Idee, was im neuen Jahr in den Desinformations-Backstuben der Trolle gezaubert werden könnte?
In der zweiten Jahreshälfte von 2023 verbreiteten kremlfreundliche Medien und Kommentatoren Desinformationsnarrative, laut denen Russland eine Führungsrolle unter südlichen und östlichen Ländern innehat. In dieser sehr prominent platzierten dritten Runde von Desinformationsmeldungen ist Russland, wenn nicht gerade gut, so doch zumindest besser in so ziemlich allem. Und auf jeden Fall besser als das untergehende Reich des zusammenbrechenden, dekadenten Europas, das von der LGBT-Community beherrscht werde und daher vom Kreml auch gerne als „Gayropa“ bezeichnet wird. Wir haben erst vor Kurzem diesen besonders krassen Trend der sexuell gefärbten Desinformation und Manipulation dokumentiert.
Andere Geschenke im Sack sind die routinemäßigen Behauptungen in bestimmten Medien, dass die russische Militärausrüstung derjenigen der westlichen Länder weit überlegen wäre, geäußert in einer Art und Weise, die an die Freude beim Aufhängen von glänzendem Baumschmuck erinnert. Auch immer wieder verkündet wurde die Behauptung, dass Russland gegen die gesamte versammelte Macht des „kollektiven Westens“ und der NATO kämpfe und trotzdem siege.
In anderen Berichten wurde betont, dass das kleine alte Russland für niemanden eine Bedrohung darstelle und dass der böse Westen die Schuld an Russlands illegaler und illegitimer Entscheidung trage, eine umfassende Invasion in der Ukraine zu starten. So lautet die verdrehte Logik in Moskau: Wir bombardieren für den Frieden.
Wie ein einsamer Sänger, der so laut wie möglich singt, um davon abzulenken, dass keiner mitsingt, verkündeten Medien und Kommentatoren, dass Russland nicht allein ist, sondern im Gegenteil eine Führungsrolle in der entstehenden multipolaren Welt spielt.
Zusammengenommen deuten die Desinformationsnarrative auf eine Vision von Russland für die Zeit nach dem Konflikt hin, in der Russland majestätisch über der Welt schwebt wie der Weihnachtsmann in seinem Schlitten zu Weihnachten. Zum Leidwesen des Kremls muss man sagen, dass beides dem Reich der Märchen zuzuordnen ist. Aber ein solches Märchen könnte uns im Jahr 2024 wieder begegnen.
Alte Lügen neu erzählt
Und während wir nun in eine Schneekugel mit einem Miniatur-Kreml blicken, auf dem ein als böser Weihnachtsmann verkleideter Miniatur-Putin sitzt, sollten wir noch auf eine Kreml-Taktik aufmerksam machen, die wir in Zukunft wahrscheinlich häufiger sehen werden. Die kremlfreundlichen Desinformationsverbreiter werden nämlich alte Desinformationsnarrative auf neue Ereignisse anwenden.
Seit einiger Zeit behaupten kremlnahe Medien ohne Beweise, dass die ukrainischen Behörden westliche Waffen auf dem Schwarzmarkt verkaufen. In verschiedenen Berichten wurde behauptet, dass die Waffen an Länder im Nahen Osten, an die Taliban, an alle anderen in der Welt und sogar an Randalierer in Europa gelangt sind.
Es war also keine Überraschung, dass nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober kremlnahe Medien und Experten sofort behaupteten, die Ukraine habe westliche Waffen an die Hamas verkauft. Eine Vielzahl von falschen Storys, die angeblich von glaubwürdigen Instanzen wie der BBC und Bellingcat verbreitet wurden, wurden hervorgezaubert, um dieser Behauptung Gewicht zu verleihen. Sie wurden schnell entlarvt. Es ist jedoch möglich, dass Russland westliche Waffen, die es auf dem Schlachtfeld in der Ukraine erbeutet hat, weiterverkauft.
Machen Sie sich auf 2024 gefasst
Wir sollten uns auch auf alte, ungeliebte Geschenke gefasst machen, die zwar neuen, aber genauso verwerflichen Zwecken dienen. Im vergangenen Jahr wurden die russischen Desinformationen immer standardisierter, reglementierter und verlogener. Sie bestanden aus den ständig lauthals geäußerten Behauptungen, wie schlecht die Ukraine und wie schlecht der Westen sei und wieviel besser Russland sei. Der Kreml passt diese Kernbotschaften einfach an jedes neue Ereignis oder jede neue Situation an.
Wir hoffen, Sie hatten die Gelegenheit, unseren Adventskalender mit den wildesten Desinformationsnarrativen des Jahres zu verfolgen.
Lassen Sie sich nicht täuschen. Informieren Sie sich in der EUvsDisinfo-Datenbank.
Wir wünschen Ihnen allen schöne Feiertage!