In den letzten Wochen gab es in ganz Europa viele Veranstaltungen, die an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnerten. Kremlfreundlichen Medien verwendeten viel Zeit darauf, die Geschichte umzuschreiben.
Mehrere Sendungen im russischen Staatsfernsehen drehten sich um dieses Thema. Eine Sendung mit dem Titel „Wer begeht am 9. Mai einen Feiertag?“ legte nahe, dass diejenigen, die diesen Tag nicht feiern, die ersten Schritte Richtung Faschismus unternähmen. (Freilich erstand die Europäische Union aus dem den Zweiten Weltkrieg folgenden Frieden und feiert den Europatag am 9. Mai; außerdem erkennen viele europäische Länder den 8. Mai und nicht den 9. Mai als den Tag an, an dem der Krieg in Europa endete).
„In the now“—der Jugendkanal von Russia Today (RT) auf YouTube, Twitter, Instagram und Facebook (obwohl die Urheberschaft von RT auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist)—strahlte ein Video aus, das „Wer gewann den zweiten Weltkrieg“ hieß. Darin verglich eine amerikanische Frau mit Sankt-Georgs-Band die Anzahl der Verluste im zweiten Weltkrieg und wollte damit beweisen, dass tatsächlich die UdSSR diese Ehre verdiene. Auf dieser Seite verbreiten auch andere Videos die kremlfreundliche Sichtweise, zum Beispiel zum Thema Syrien. Wie die Washington Post erklärt, war das schwarz-orange Sankt-Georgs-Band Teil einer von Russlands staatlicher Nachrichtenagentur RIA Novosti getragenen PR-Kampagne im Jahr 2005. Dadurch avancierte es zu einer Erfolgsgeschichte auf Russlands Suche nach einheitsstiftenden Symbolen unter Präsident Putin. In der Ukraine ist es übrigens eng mit den pro-russischen Separatisten und Russlands illegaler Annexion der Krim verbunden.
Eine weitere Show im russischen Staatsfernsehen konzentrierte sich auf die Ukraine und die dortigen Feierlichkeiten rund um den Siegestag. Es wurde behauptet, dass die UdSSR das Nazi-Regime ohne fremde Hilfe bekämpft habe, wohingegen die europäischen Länder entweder gemeinsam mit Hitler gekämpft oder sich ihm ergeben hätten. Es wurde ebenfalls gesagt, dass Straßenproteste am 9. Mai in der Ukraine zeigten, dass das Land von einem Nazi-Regime geführt würde. Tatsächlich fanden diese Proteste wegen des Gebrauchs des oben erwähnten Sankt-Georgs-Bandes statt, das in der Ukraine sehr umstritten ist.

Sie haben das sicher schon mal gehört
Die kremlfreundlichen Desinformation hat diese Woche auch versucht, Geschichte in den baltischen Staaten umzuschreiben. Wieder einmal wurde behauptet, dass es diesen Staaten während der Sowjetzeit wirtschaftlich besser ging, ebenso dass Russland die in dieser Zeit getätigten Investitionen wieder zurückfordern könnte, womit es die Wirtschaft der drei Staaten zerstören würde (was bereits widerlegt wurde).
Tatsächlich sah man bei kremlfreundlicher Desinformation wieder einmal einige wiederkehrende Sichtweisen: Zum Beispiel, dass das georgische Volk wegen seiner euro-atlantischen Integration seine Werte verloren habe. Und dass christliche Traditionen in Georgien von Nachbarländern verboten werden könnten. Das sind Sichtweisen, die schon früher aufgefallen sind und zwar schon mehrmals.
Das „moralisch bedauernswerte Europa“ wurde auf einer tschechischen Webseite porträtiert, während man in einer Sendung des russischen Staatsfernsehens sah, dass die EU die Ukraine besetze; in einer weiteren Sendung hörte man, dass die EU nun Horden von Nazis erwarte, die wegen der Visa-Erleichterung mit der Ukraine die Straßen europäischer Städte überfluten würden.
Die Ukraine und der Westen wurden beide beschuldigt, einzig und allein auf Russophobie aufgebaut zu sein. Es wurde wieder einmal behauptet, dass die EU der Ukraine ihre fruchtbaren Ländereien und Wälder entwenden werde. Eine ähnliche Falschinformation ist schon seit einigen Jahren bezüglich Schweden und der Ukraine im Umlauf. Wie wir schon früher gezeigt haben, wird eine falsche Behauptung nicht wahr, wenn man sie wiederholt.

So illustriert Izborsk die Desinformation, dass Russenhass ein „fundamentaler und unverzichtbarer Teil der westlichen Identität“ sei. Nichts Neues für uns. (Bild: Izborsk)
Die komplette Tabelle der neuesten Berichte mit Falschmeldungen lesen (auf Englisch):