Was könnte Völkermord und Nazis mit der Fußballweltmeisterschaft 2018 gemein haben? Nichts, wäre die offensichtlichste Antwort. Doch der kremlfreundlichen Desinformationskampagne dienen diese drei Themen als Inspirationsquelle.

Diese Woche drehte sich alles darum, eine Nebelwand rund um eine der wichtigsten Frontlinie aufzubauen: Der Ukraine. Wie bereits in der Vergangenheit zu erkennen war, ist der Anstieg von Gewalt im Donbas — wie auch zuletzt —von einer intensivierten Desinformationskampagne in kremlfreundlichen Medien begleitet.

1. Die Fußballweltmeisterschaft. Die Desinformationskampagne stellte die Ukraine als den Hauptaggressor gegenüber Russland und dem Donbas dar; es wurde behauptet, die Ukraine werde „während der Weltmeisterschaft eine großangelegte Offensive im Donbas“ starten, um ein „humanitäres Desaster und ein Bevölkerungsabwanderung“ auszulösen. Das Ziel sei „Russland als Konfliktpartei und Aggressor zu brandmarken“. Die Botschaft wurde mit einer weiteren, bereits wiederholten Aussage ergänzt: Russland habe mit dem Krieg in der Ostukraine nichts zu tun—obwohl es klare Belege für eine Beteiligung Russlands gibt.

Gleichzeitig war die Desinformationskampagne eifrig mit der Erstellung falscher Berichte über die Fehler auf ukrainischer Seite beschäftigt. So wurde etwa die Desinformation verbreitet, Angehörige von NATO-Streitkräften seien getötet worden, da die Armeeführung der ukrainischen Streitkräfte sie absichtlich in ein Minenfeld geleitet habe. Die Meldung wurde schnell von Journalisten widerlegt.

2. Völkermord. Die nächste Stufe bei der Verbreitung von Desinformationen bestand darin, Russlands Aggressionen zu rechtfertigen. Wenn die Ukraine beginne einen „Völkermord im Donbas“ zu begehen, werde Russland „nicht im Hintergrund bleiben“. Die Verbindung des Wortes „Völkermord“ mit der Ukraine und der Versuch, dieses Narrativ vom Rand der Berichterstattung in die Mitte zu drängen, ist seit Jahren Teil der kremlfreundlichen Desinformation über die Ukraine.

Dieses Narrativ wurde auch auf höchster politischer Ebene wiederholt, als Russlands Präsident Wladimir Putin vorhersagte, ein Massaker wie in Srebrenica könne auch in der Ukraine stattfinden und „Russland das nicht erlauben wird.“ Doch es gibt und gab nie einen Beleg für einen drohenden Völkermord in der Ukraine. Menschrechtsorganisationen, die 2014 in die Ukraine gereist sind, fanden keinen Anhaltspunkt dafür, dass russischsprachige Personen gefährdet seien könnten.

3. Nazis. Der ständige Fluss der Verleumdungen, wonach die Ukraine ein faschistischer Staat sei, lief im Hintergrund weiter. Es wurde behauptet, ukrainische Behörden „rutschen weiter in die faschistische Dunkelheit ab“ sowie, dass die offizielle Ideologie in der Ukraine lautete, dass das Land „unter Hitler geblüht hätte“. Als „Beleg“ für die Bosheit des ukrainischen Volkes wurde sogar behauptet, die Ukraine hätte Häuser aus den Überresten von Nazis erschossener sowjetischer Kriegsgefangenen gebaut. Hier sehen Sie die Fakten.

Eine der Techniken, die in der St. Petersburger Trollfabrik genutzt werden, ist die Bestimmung von Schlüsselworten, die das jeweilge Thema in den Suchmaschinen weiter nach oben bringt. Und die Anweisungen des Kremls an die größten Medienhäuser werden dafür sorgen, dass die richtigen Themen vom richtigen Blickwinkel aus betrachtet werden.

Es ist interessant die systematische Wiederholung der Wörter „Ukraine“ und „Völkermord“ sowie „Ukraine“ und „Nazis“ miteinander zu vergleichen, wie aus unserer Datenbank zu den Desinformationsfällen ersichtlich.

Übersetzungen aus dem Englischen: Astrid Schwaderer