Das Bild des Grimpen-Sumpfs—jenes heimtückischen Moor aus der berühmten Sherlock Holmes-Geschichte „Der Hund von Baskerville“—wurde diese Woche von der Sprecherin des russischen Verteidigungsministeriums aufgegriffen. In Reaktion auf die Verurteilung der Vergiftung Sergei Skripals durch das Vereinigten Königreich, bezeichnete sie das britische Parlament als Zirkusvorstellung. „Der Grimpen-Sumpf birgt noch immer seine Geheimnisse“, bemerkte sie.

Der Grimpen-Sumpf wird als „ein riesiger Morast“ beschrieben, der „Schauer, Grauen und ein Gefühl der Zurückweisung erzeugt“ mit „Stellen, in die man versinken kann, ohne Führer, der einem den richtigen Weg zeigen könnte“. Insofern ist der Sumpf eine geeignete Beschreibung der Desinformationslandschaft in dieser Woche.

Als Antwort auf die Aussage der britischen Premierministerin Theresa May, in der sie Moskau für die Vergiftung und den versuchten Mord an dem früheren russischen Spion Skripl auf britischen Boden verantwortlich machte, liefen die kremlfreundlichen Medien auf Hochtouren. Skripal befindet sich ernsthaft krank gemeinsam mit seiner Tochter und einem britischen Polizisten im Krankenhaus.

Am Auffälligsten war, wie die Geschichten – von denen einige in den staatlich-kontrollierten Nachrichtenmedien veröffentlicht worden waren, sich aber gegenseitig komplett widersprachen – wiederholt unbegründete und oft absurde Verschwörungstheorien verbreiteten. Dies ist vielleicht eine der klassischsten kremlfreundlichen Desinformationstechniken: Das breite Publikum zu verwirren und zugleich das treue Publikum der Desinformanten zu bedienen, welches mit einigen Zeilen zur Verteidigung Russlands bereit steht. Die Vergleichbarkeit mit früheren Vorfällen, bei denen Russland als Verursacher eines Verbrechens identifiziert wurde, ist klar ersichtlich: Zum Beispiel im Fall MH17 und im Falle des Bombardements auf einen humanitären Konvoi in Syrien.

In beiden Fällen wurde rasch die Zurückweisung der Anschuldigungen, die Verzerrung der Fakten, die Ablenkung von der eigentlichen Sache und die Entmutigung des Publikums durch kremlfreundliche Desinformationenvorangetrieben.

Es war demnach nicht überraschend, dass eine der bevorzugtesten Erklärungen des staatlich-kontrollierten russischen Fernsehens im Fall Skripal „Russophobie“ lautete. Das ist eine der häufigsten Antworten auf alle gegen Russland geäußerten Vorwürfe.

Die führenden Kanäle im russischen Staatsfernsehen erklärten den Zusehern, dass der ehemalige Spion mit dem Ziel der Diskreditierung Moskaus sowie der Verbreitung von Russophobie in Wahrheit von den Vereinigten Staaten vergiftet worden sei; dass der Westen zur Rechtfertigung von Sanktionen Russland für die Vergiftung verantwortlich mache, und dass der Vorfall eine Provokation des Westens im Vorfeld der russischen Präsidentschaftswahlen am Sonntag gewesen sei. Sputnik schloss sich dem Narrativ der „anti-russischen Propaganda“ an.

Ein weiteres populäres Thema der Desinformationen tauchte auf, als das staatlich-kontrollierte Fernsehen andeutete, dass das Vereinigte Königreich den Angriff auf Skripal inszeniert habe um  einen Boykott der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft diesen Sommer in Russland auszulösen. Dies ist nicht das erste Mal, dass Sport für Zwecke der Desinformation genutzt wird.

Tweet von @benimmo, in welchem die Gemeinsamkeiten der Berichterstattung von RT über die Tragödie von MH17 und der Skripal-Attacke aufgezeigt werden.

Die russischen Staatsmedien verfolgten eine ähnliche Taktik wie nach dem Abschuss von MH17 und verschmutzten schnell die Informationssphäre mit „alternativen“ Erklärungen für die Tragödie.

Einige Medien behaupteten, Skripal und seine Tochter hätten eine Überdosis genommen. Eine weitere Erklärung lautete, die Verbreitung des Toxins sei ein Unfall gewesen und es stamme aus einem britischen Labor. In Unterstützung dessen wurde die Glaubwürdigkeit besagten Labors schnell von RT in Frage gestellt.

Auffallend war, dass inmitten des Fokus auf den russischen Einsatz von international verbotenen Waffen, eine Desinformationsgeschichte auftauchte, in der unter anderem das Vereinigte Königreich des Einsatzes chemischer Waffen in Syrien beschuldigt wird.

Doch das Ziel der Desinformationen war nicht allein die Verwirrung. Es wird auch versucht einzuschüchtern, zu bedrohen und zu verängstigen—eine weitere geläufige Technik. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte am Dienstag, Russland ersuche Großbritannien, mit einer Atommacht nicht in der Sprache von Ultimaten zu sprechen. Dies ist nicht das erste Mal, dass Vertreter des Kremls sich einer ähnlichen Wortwahl gegenüber europäischen Staaten bedient haben.

Zusätzlich behaupteten die russischen Staatsmedien bei der Berichterstattung über den Skripal-Fall, dass „der Verräter es verdient hat“.  Viele Nachrichtensendungen stellten ihn als „Verräter Skripal“ vor, wodurch die Worte Putins aus einem berüchtigten Interview nachklingen: „Verräter enden immer auf einem schlimmen Wege.“

Während sich andere Staaten gegenüber der britischen Regierung solidarisch zeigten, machten sich, wie von DFRLab dokumentiert, die offiziellen Twitterfeeds des russischen Außenministeriums mit dem Hashtag „HighlyLikelyRussia“ über die britische Regierung lustig.

Es kann mitunter schwierig sein, den Weg durch den Sumpf der Desinformationen zu finden. Steigen Sie nicht hinein.

Übersetzungen aus dem Englischen: Astrid Schwaderer