Können Sie sich an die Geschichte von Hans Christian Andersen erinnern, in der ein Kaiser ohne Kleider vorkommt? Er wurde dazu verführt viel Geld für Kleider auszugeben, die vermeintlich von den besten Fabriken genäht und nur für die intelligentesten Menschen sichtbar waren. Doch in Wirklichkeit trug er nichts—eine Tatsache, die niemand zur Kenntnis nahm, bis ein kleiner Junge ihn darauf hinwies, als er die Straßen entlang spazierte.

Genauso ist es mit Desinformationen. Wenn nicht darauf hingewiesen wird, dass es eine Desinformation ist, wird weiter vorgetäuscht, dass sie der Wahrheit entspricht. Wie man vor einigen Tagen lesen konnte, versuchen Desinformationsmedien nicht einmal selbst ihre Fassade aufrecht zu halten; im Gegenteil: Sie sind sehr offen, was ihre Aktivitäten angeht.

In der letzten Woche haben wir viele Wiederholungen immer wiederkehrender Leitlinien der Desinformation aus dem kremlfreundlichen Kleiderschrank gesehen. Also finden wir, dass wir wieder einmal auf das Offensichtliche hinweisen müssen.

Der niemals endende moralische Zerfall des Westens

Im georgischen Desinformationsraum wird immer wieder der moralische Zerfall des Westens thematisiert. Jüngst wurde er durch Berichte über ein neues kanadisches Gesetz veranschaulicht, das Kritik an der Gendertheorie zu einer kriminellen Straftat mache. In Wirklichkeit ist das neue Gesetz ein Zusatz zum kanadischen Menschenrechtsgesetz, welches Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck auf die Liste der Gründe setzt, aus denen Diskriminierung verboten ist.

Im russischen Staatsfernsehen wurde behauptet, dass die NATO Daesh (dem Islamischen Staat) gleich komme, wenn es um Terrorismus gehe. Und die USA wurden beschuldigt, eine der Kriegsparteien in der Ukraine darzustellen. Wir haben solche Behauptungen schon unzählige Male widerlegt.

 

Von einem neuen Bericht aus den USA wurde im russischen Staatsfernsehen behauptet, russophobisch zu sein. Dies ist eine weitere übliche Ausrede der kremlfreundlichen Desinformationen, wenn Russland herausgefordert oder kritisiert wird.

Und in einem weiteren georgischen Desinformationsmedium wurde behauptet, Europa habe Inzest als Standard anerkannt. In Wirklichkeit sind der Schutz und die Förderung der Kinderrechte eines der Ziele der Europäischen Union. Alle Politiken und öffentliche Aktionen mit Auswirkungen auf Kinder müssen im Sinne der besten Interessen des Kindes entworfen, umgesetzt und überprüft werden.

Are things really that bad in Ukraine?

Stehen die Dinge wirklich so schlecht in der Ukraine?

Das Ende der Ukraine, oder?

Wenn es nach der kremlfreundlichen Desinformation zur Ukraine ginge, müsste man sich fragen, ob es das Land bis ans Ende der Woche schafft. Die Ukraine wurde als Einöde bezeichnet, die wegen schlechter Gesundheitsversorgung eine sinkenden Bevölkerung aufweist, und als Land, das von einer Hepatitis A-Epidemie heimgesucht werde.

Aber es ist nicht ganz so schlimm, wie es sich anhört. Laut des ukrainischen Gesundheitsministeriums gibt es sporadische Fälle dieser Krankheit in der Ukraine, die aber gewiss nicht das Ausmaß einer Epidemie annehmen. Und wie wir oft betont haben, ist die Desinformation über die Ukraine ein zentrales Element der kremlfreundlichen Desinformationskampagne, zumindest seit dem Beginn der Proteste auf dem Maidan.

Außerdem stellten kremlfreundliche Medien Russland wieder einmal als Friedenswächter in der Welt dar, sowie als ein Land, das an internationalem Recht festhalte. Dies steht im Widerspruch zur illegalen Annexion der Krim als klare Verletzung des internationalen Rechts und zu Russlands Beteiligung am Krieg in der Ostukraine.

Wenn es um Desinformationen geht, hat der Kaiser keine Kleider.

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