Die Verwirrung des Publikums ist eines der Ziele der kremlfreundlichen Desinformationskampagne. Eine dafür verwendete Technik ist es, uns dazu zu bringen irrelevante Fragen zu stellen und unsere Energie in die Suche nach Antworten auf eben diese Fragen zu stecken.

Eine einfache, schnelle und effektive Art desinformierende Inhalte zu erstellen ist die Manipulation von Zahlen und Statistiken. Und da das Hauptziel der kremlfreundlichen Desinformationskampagne in der Saat von Zweifeln besteht (und nicht in der Aufrechterhaltung von Glaubwürdigkeit), spielt es keine Rolle, wenn man auf frischer Tat ertappt wird. Diese Woche konnte man beobachten, wie verdrehte Zahlen als Teile größerer kremlfreundlicher Desinformationskampagnen benutzt wurden. Hier sollen einige davon hervorgehoben werden.

MH17. Das russische Verteidigungsministerium spielte eine wesentliche Rolle bei der Erstellung erfundener Beweise für die Bedürfnisse der Desinformationskampagne zu MH17. Diese Woche stellte keine Ausnahme davon dar. Nachdem letzte Woche das von den Niederlanden geführte gemeinsame Ermittlerteam (JIT) seinen neuen Bericht zum Abschuss von MH17 veröffentlich hatte, antwortete das russischen Verteidigungsministeriums damit , dass besagte Raketen aus dem Jahr 1986nach 2011 entsorgt worden wären. Dies wurde von Sputnik und Russia Today berichtet und von den russischsprachigen Medien überregional verbreitet.

Doch die kremlfreundliche Desinformationskampagne demonstrierte ihre Fähigkeit sich selbst zu widerlegen: Wie Bellingcat feststellte, benutzte der BUK-Hersteller Almaz Antey 2015 eine Rakete aus dem Jahr 1987 in einem MH17-Test, was bedeutet, dass diese 28 Jahre alt war und schon längst hätte ausgemustert werden sollen. Die Ablenkung des Publikums in Richtung hitziger Diskussionen über Zahlen lässt die vom JIT zugänglich gemachten Tatsachen verschwimmen: Dass der Flug MH17 von einer Rakete abgeschossen wurde, die von einer BUK-TELAR gestartet wurde von einem Gebiet, das unter der Kontrolle prorussischer Kämpfer gestanden hatte; dass diese Rakete von Russland aus dorthin gebracht und wieder nach Russland zurück gebracht wurde und dass diese Rakete von einer Einheit der russischen Armee in Kursk stammte.

Alarm: Die EU-Wirtschaft steht am Rande des Zusammenbruchs. Im Laufe dieser Woche war das russische Verteidigungsministerium auch an anderer Front tätig. Sein Fernsehsender Swesda berichtete, das Europäische Parlament habe über „absolute Arbeitslosigkeit“ in der EU informiert. In Wirklichkeit verhält es sich folgendermaßen: 1. Der Bericht des Europäischen Parlaments stellte die Arbeitslosenquoten unter Jugendlichen in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten vor. 2. In den letzten Jahren hat es diesbezüglich eine signifikante Verbesserung gegeben (im Frühling 2013 erreichte die Jugendarbeitslosigkeit einen Spitzenwert von 23,8% und verringerte sich danach drastisch auf 16,1% im Jahr 2018). Und 3. existiert ein andauerndes Ungleichgewicht innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten. Die niedrigsten Quoten wurden in der Tschechischen Republik (5,8%) sowie in Deutschland (6,6%) beobachtet, während die höchsten in Griechenland (43,7%), Spanien (36,0%) und Italien (31,5%) erfasst wurden.

Das staatlich kontrollierte russische Fernsehen verbreitete ungebrochen unterschiedliche Theorien bezügliche der Salisbury-Attacke und bezog sich auf „eine weitere Eigenartigkeit: Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen OPCW behauptete, 100 Gramm Nervengift wurden in Salisburgy benutzt“. In Wirklichkeit ließ die OPCW schon vor einem Monat verlautbaren, dass sie sich im Kommentar gegenüber der New York Times fälschlicherweise auf Gramm bezogen hatte unddie verwendete Menge vermutlich im Milligramm-Bereich liegt.

Die in der Überschrift gestellte Frage—wie viele nicht-existierende Äpfel passen in zwei Äpfel—beschäftigt Mathematiker seit hunderten von Jahren auf der Suche nach der Natur der Zahl Null.

Es scheint so, dass die kremlfreundliche Desinformationskampagne ihre Zeit nicht mit Nachdenken verschwenden muss. Sie ist dazu fähig, so viele nicht-existierende Stücke jeder Frucht zu erschaffen solange diese zu ihren Zwecken passt.

Übersetzungen aus dem Englischen: Astrid Schwaderer